Reliance: Ölkonzern mit Supermarkt

Reliance
Ölkonzern mit Supermarkt

Die neuen Weltkonzerne kommen aus Schwellenländern wie Indien, Brasilien und Russland. Das Handelsblatt stellt sie in einer Serie vor. Im ersten Teil geht es um den indischen Petrochemiekonzern Reliance, der nicht nur eigene Tankstellen betreibt, sondern Supermärkte und selbst ganze Städte baut.

BOMBAY. In einem entlegenen Zipfel Westindiens erhebt sich ein Wald von Kränen aus der öden Steppe. 100 000 Bauarbeiter errichten turmhohe Betonskelette, die schon Ende 2008 die größte Raffinerie der Welt beherbergen sollen. Reliance Industries will dann hier 1,24 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl verarbeiten – pro Tag. Noch schafft der Petrochemiekomplex in Jamnagar nur die Hälfte und ist damit weltweit die Nummer drei. Das ist genau zwei Nummern zu klein für Mukesh Ambanis Ambitionen. Sechs Mrd. Dollar investiert der Reliance-Chef in die Erweiterung der Raffinerie.

Was Ambani mit Reliance auf die Beine gestellt hat, verdeutlicht den Umbruch in der globalen Wirtschaftsordnung: So wie Indiens größter Privatkonzern sind viele Firmen aus Schwellenländern auf dem Weg, neue Weltkonzerne zu werden. Gestützt durch ihre rasant wachsenden Heimatmärkte und Kostenvorteile, machen sie etablierten westlichen Giganten immer mehr Konkurrenz.

Reliance hat sich in vier Jahrzehnten vom winzigen Textilhersteller zum Petrochemieriesen gewandelt, mit 20 Mrd. Dollar Umsatz und zwei Mrd. Dollar Gewinn – ein stattliches Familienunternehmen. Für Ambani, der nicht nur Konzernchef, sondern auch Mehrheitseigner ist, ist es noch lange nicht groß genug.

Geschickt nutzt Ambani Standortvorteile, die auch Indiens Softwarefirmen in die Weltliga katapultieren: „Nirgends können Sie so schnell so viele billige Techniker mobilisieren wie hier“, sagt er. Das mache den Bau einer Raffinerie um ein Drittel billiger als im Rest der Welt, und an der Verarbeitung eines Liters Rohöl verdiene Reliance etwa 30 Prozent mehr als westliche Firmen. Die Erweiterung in Jamnagar ist ganz auf Export ausgelegt. Um Abnehmer in Europa und den USA für sein Diesel und Benzin ist Ambani angesichts der Raffinerie-Engpässe im Westen nicht bang: „Kunden werden Schlange stehen.“ Das gilt auch für Chemikalien, besonders Kunststoff-Vorprodukte. Auch deren Produktionskapazitäten werden in Jamnagar ausgebaut. „Firmen wie BASF müssen aufpassen“, warnt ein deutscher Chemiemanager mit langer Indien-Erfahrung.

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