Renaissance der Kernkraft
Atomindustrie erwartet neuen Boom

Die Signale aus der Politik sind deutlich. Rund um die Welt wollen Regierungschefs wieder Atomkraftwerke bauen. Alles deutet auf einen Auftragsboom hin. Ist die Atomindustrie der steigenden Nachfrage gewachsen?

NEW YORK/DÜSSELDORF/TOKIO. Die Äußerungen des US-Präsidentschaftskandidaten müssen in den Ohren der Industrie wie Musik klingen: Bis zum Jahr 2030 will der Republikaner John McCain landesweit 45 neue Kernkraftwerke bauen lassen, falls er der nächste Präsident der USA wird. Ultimatives Ziel seien sogar 100 neue Reaktoren. Auch andere Länder wie Großbritannien planen wieder neue Kernkraftwerke. Beide Fälle zeigen: Begünstigt durch die CO2-Debatte bahnt sich ein Umschwung für die Atomindustrie an.

Doch die Frage lautet: Können Anlagenbauer einen solch starken Bedarf überhaupt stemmen? Schließlich ist die Industrie in den dürren zurückliegenden Jahren angesichts schwacher Nachfrage geschrumpft. Waren im Höhepunkt des Atombooms im Jahr 1980 rund 200 Kernkraftwerke gleichzeitig weltweit in Bau, so sind es derzeit nach Angaben des Fachmagazins ATW 33 - davon lediglich eines in Frankreich und eines in Finnland, es sind die ersten Neubauten seit Tschernobyl.

Bereits bei dieser geringen Zahl zeigt sich, dass die Anlagenbauer Probleme haben, die Projekte rechtzeitig und im Rahmen der geplanten Kosten zu realisieren. Der Reaktor in Finnland wird erst 2011 mit zwei Jahren Verspätung fertig. Auch beim Kernkraftwerk Flamanville in Nordfrankreich gibt es Verzögerungen.

Nach der jahrelangen Auftragsflaute ist die Zahl der weltweit anbietenden Anlagenbauer für Atomkraftwerke stark geschrumpft. In Europa dominiert die französische Areva, in den USA ist noch General Electric als unabhängiger Anbieter übrig geblieben neben der viel kleineren AECL in Kanada. In Japan bieten die Mischkonzerne Toshiba, Hitachi und Mitsubishi Kernreaktoren an.

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