Renault

Franzosen wollen VW die Rücklichter zeigen

Renault-Chef Carlos Ghosn gibt für sein Unternehmen ambitionierte Ziele aus. Die Franzosen wollen VW nicht nur beim Absatz, sondern auch bei der Rendite abhängen – und das ausgerechnet mit günstigen Einstiegsmodellen.
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Auf der IAA zeigte Renault mit dem Symbioz ein selbstfahrendes Konzeptauto. Quelle: AP
Renault mit Selbstbewusstsein

Auf der IAA zeigte Renault mit dem Symbioz ein selbstfahrendes Konzeptauto.

(Foto: AP)

ParisHoch oben auf der Grande Arche, dem von Francois Mitterrand gebauten torförmigen Marmor-Turm im Pariser Geschäftsviertel La Défense, hat Carlos Ghosn am Freitag die Ambitionen der Renault-Gruppe für 2022 verkündet. „Wir haben zwei Ziele: einen Umsatz von mehr als 70 Milliarden und eine Umsatzrendite von über sieben Prozent.“ Über fünf Millionen Autos will Renault Ende 2022 absetzen, 2016 waren es 3,47 Millionen. Die Aktionäre lockt der Chef des französischen Autoherstellers und der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz mit höheren Dividenden: Statt sieben Prozent werde Renault künftig 15 Prozent des Gewinns ausschütten.

Zufrieden wies Ghosn darauf hin, dass sein früheres Renditeziel von fünf Prozent „jetzt die Untergrenze wird für den neuen Planungshorizont bis 2022“. Dabei setzt er sowohl auf eine breitere geografische Präsenz von Renault auf den internationalen Märkten, auf die mittlerweile anerkannte Stärke im preiswerten Autosegment, die Führungsposition bei der E-Mobilität und auf beschleunigte Einsparungen sowie Synergien in der Auto-Allianz, die „zu ungefähr 50 Prozent Renault zugute kommen werden.“    

Durch die geografische Expansion will Ghosn den Anteil des Gewinns aus dem internationalen Geschäft auf 50 Prozent steigern. Europa, das 2016 noch 75 Prozent beisteuerte, werde Ende 2022 nur noch bei knapp der Hälfte liegen. Die wichtigsten Wachstumsmärkte für die Franzosen sind China, Russland, Lateinamerika, Indien und der Iran. Russland und Iran seien „hochprofitable Märkte“, ließ Ghosn durchblicken.

Ein futuristischer Flachmann
Renault Trezor
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Auf dem Pariser Autosalon scheint der Funke in Sachen E-Mobilität auch endgültig bei den großen Autobauern übergesprungen zu sein. Neben Serienfahrzeugen mit neuen Reichweiten-Rekorden präsentieren die Hersteller auf der Messe auch wieder visionäre Studien. Allen voran Elektro-Pionier Renault, der sich mit der Studie Trezor ein paar Gedanken in Richtung elektrisch getriebenen Gran Turismo macht.

Rote Scheiben, silberne Außenhaut
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Beim Trezor handelt es sich um einen Zweisitzer, dessen 4,70 Meter lange, aber nur knapp einen Meter hohe Karosserie sich denkbar knapp über die 21 und 22 Zoll (vorne/hinten) großen Räder schmiegt. Aus der silbernen Außenhaut mit eigenwilligem Kacheldesign ragt flach ein Greenhouse mit auffallend rot getönten Scheiben.

Die Türen fehlen
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Wer einen genauen Blick in die Flanke riskiert, wird die Abwesenheit von Türen feststellen. Stattdessen wird der komplette Vorderwagen samt Greenhouse nach oben geöffnet, um einen Einstieg in die Fahrgastzelle zu ermöglichen. Unter anderem soll diese Lösung Vorteile für die Aerodynamik bieten: Renault verspricht einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,22. Fahrgäste müssen allerdings über eine hohe Seitenwand steigen, um sich dann tief in die roten Sitze sinken zu lassen.

Rot ist das bestimmende Thema
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Rot ist auch das bestimmende Farbthema der mit reichlich Leder und Plüschteppich ausgekleideten Fahrgastzelle. Bedienelemente finden sich nur wenige, dafür gibt es einen weitgehend schwarzen Cockpit-Bereich mit rechteckigem Lenkrad und großen Displays. Letztere dienen zur Darstellung fahrrelevanter Informationen sowie als Anzeige- und Bedieneinheit für das multimedial hochgerüstete Infotainmentsystem.

Autonome Kompetenz
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Ähnlich zukunftsweisend wie mit seinem Cockpitkonzept gibt sich der Trezor auch in Hinblick auf seine Kompetenz, autonom fahren zu können. Für Renault steht fest, dass in wenigen Jahren die Technik hierfür nicht nur ausgereift, sondern auch bezahlbar sein wird.

Rein elektrisch
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Der Fahrer kann aber auch selbst das Kommando übernehmen und es dabei richtig krachen lassen. Allerdings nicht im akustischen Sinn, denn der 1,6-Tonner wird rein elektrisch angetrieben. Und zwar von einer E-Maschine, die 260 kW/350 PS sowie 380 Newtonmeter Drehmoment in den Vortrieb wirft, was eine Sprintzeit aus dem Stand auf 100 km/h in weniger als 4 Sekunden erlaubt.

Bescheidene Höchstgeschwindigkeit
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Wie bei Elektroautos üblich, fällt die Höchstgeschwindigkeit mit 200 km/h hingegen recht bescheiden aus. Ordentlich dafür die Reichweite, die Renault mit 300 Kilometern angibt.

Renaults lange belächelte „Entry-“ oder „Access“-Modelle, die preiswerten Autos der Logan- und Duster-Familie, werden immer mehr zum Herz der Renault-Strategie: Von den angestrebten fünf Millionen Stück insgesamt sollen zwei Millionen auf das Access-Segment entfallen. Das sind fast doppelt so viele wie 2016. Ghosn will nicht nur die Logan-Familie komplett erneuern.

Der Kwid, bislang eher ein Randmodell, das in Indien ab circa 4000 Euro angeboten wird, bekommt Geschwister: Insgesamt vier Kwid-Modelle soll es künftig geben. Seine Vermarktung wird international ausgeweitet. Zu dieser Strategie gehört auch ein preiswertes Elektroauto, von Ghosn E-Kwid getauft.

Elektromobilität ist ein zentraler Teil von Renaults Strategie. Gegenwärtig gibt es vier reine Elektromodelle, Ende  2022 sollen es acht sein. „Die Elektromobilität wird sehr stark zunehmen wegen der regulatorischen Zwänge“, ist Ghosn überzeugt. Renault rechne damit, dass das Segment bis Ende 2022 fünf Prozent des Gesamtumsatzes beisteuert. „Ich glaube aber, dass das eher konservativ ist“, sagt der Renault-Chef. „Wenn der E-Kwid auf den Markt kommt in China, wird der stark abgehen.“

„Elektromobilität ist von einer Vision zu einer Kernaktivität geworden“, sagt auch der für die E-Mobile zuständig Vorstand Gilles Normand. Renault habe einen Wettbewerbsvorteil auf diesem Gebiet: In Europa sei das Unternehmen mit einem Marktanteil von 25 Prozent führend, Nissan folge mit 22 Prozent, der erste Wettbewerber folge erst mit 14 Prozent Marktanteil. Die neue Generation von Stromern werde „voll profitabel sein und und Ende 2022 die Renault-Durchschnittsrendite erreichen.“ Im Zeitraum bis Ende 2016 habe man mit diesen Fahrzeugen immerhin einen positiven Deckungsbeitrag erreicht.  

„Der Staat wird verkaufen“
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2 Kommentare zu "Renault: Franzosen wollen VW die Rücklichter zeigen"

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  • RENAULT
    Franzosen wollen VW die Rücklichter zeigen
    von:
    Thomas Hanke
    Datum:
    06.10.2017 13:08 Uhr
    Renault-Chef Carlos Ghosn gibt für sein Unternehmen ambitionierte Ziele aus. Die Franzosen wollen VW nicht nur beim Absatz, sondern auch bei der Rendite abhängen – und das ausgerechnet mit günstigen Einstiegsmodellen.
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    RENAULT sollte endlich in AFRIKA ( in Marokko sind Sie schon drin ) einen WERK ERRICHTEN für BUS & MINI LKW !

    Am Besten im Sicheren Marokko da der Marokkanischer König absolut TOP FÜR DIE WIRTSCHAFTSWELT IST weil ER IN DIE ZUKUNFT UND AN DIE ZUKUNFT DENKT und nicht wie etwa die Europäer in der Vergangenheit nach Lösungen oder beispiele suchen !!!

    Da hatte VW & MAN es nie begriffen einen Werk in Afrika zu errichten für 20 sitzige Busse nur für Afrika , und dieses obwohl ich es seit mehr als 7 Jahren darauf hinweise !

    Und dazu MAN ist ohne Aufträge da gestanden und auch VW hatte flaute bei der Bus Herstellung gehabt ! ( BEGREIFT ABER IMMER NOCH NICHT WAS WIRKLICH ZU TUN IST, stattdessen der Bundeskanzlerin Konzeptlosigkeit von VW bewiesen auf der IAA in Frankfurt 2017 mit Konzeptlose Ziele bis 2030 oder Weitsichtigkeiten dahin ! )

  • Das wäre sehr gut, wenn VW mal einen echten Herausforderer hat. Konkurrenz belebt das Geschäft! Die schlafen sonst noch ein in Wolfsburg und machen wieder nur Studien, wie auf der IAA.
    Der Golf GTI zu früheren Zeit wurde auch nur deshalb besser, weil es einen Kadett GSE und R5 GTI gab.

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