Renault hat die größte Investition eines ausländischen Autobauers in Russland unter Dach und Fach gebracht. Der französische Autobauer besiegelte nach zweijährigen Verhandlungen am Freitag seinen Einstieg beim Lada -Hersteller Avtovaz. Das lässt sich Renault einiges kosten.
HB MOSKAU. Der Autobauer beteiligt sich für rund 660 Mill. Euro mit 25 Prozent an Avtovaz. Damit will sich der Nissan
-Partner
ein wichtiges Standbein in dem rasant wachsenden Automarkt in Russland sichern, der in das Interesse aller großen Hersteller weltweit gerückt ist.
Die Franzosen erhalten die Beteiligung vom Staatskonzern Russian Technologies, der nun noch ebenfalls 25 Prozent an Avtovaz hält. Renault
will Antriebstechnik und Karosserieplattformen zur Verfügung stellen, um die verblasste Marke Lada aufzupolieren. Später sollen im Lada -Werk
in Togliatti an der Wolga auch Renault
-
und Nissan
-Modelle
gebaut werden. Avtovaz beschäftigt allein dort 105 000 Menschen. An einer Beteiligung an Avtovaz sollen auch Volkswagen,
General Motors,
Fiat und der kanadische Zulieferer Magna
interessiert gewesen sein.
Der Kaufpreis basiert früheren Renaultangaben zufolge auf einem Avtovaz-Gesamtwert von umgerechnet 3,9 Mrd. Euro. Die Russen wollen mit der Hilfe aus Frankreich auf Expansionskurs gehen. Beide zusammen wollen ein Auto zum Preis von gut 10 000 Euro entwickeln und den Absatz von Lada auf 1,5 Mill. Stück im Jahr hochschrauben. Lada, Renault
und der japanische Nissan
-Konzern,
an der die Franzosen mit 44 Prozent beteiligt sind, peilen in Russland einen Marktanteil von 40 Prozent an. Renault
gehört in Osteuropa bereits der rumänische Autobauer Dacia, der mit einer Niedrigpreisstrategie auch auf westeuropäische Märkte drängt.
Viele westliche Autobauer versuchen derzeit, in Russland Fuß zu fassen. Volkswagen
hat erst Ende November ein eigenes Werk in Kaluga südlich von Moskau eröffnet. Angetrieben von den Einnahmen aus Rohstoffexporten, die von den Rekordpreisen etwa für Öl und Metalle profitieren, dürfte der russische Automarkt Experten zufolge in wenigen Jahren der größte in Europa werden. Im vergangenen Jahr lag Russland mit rund 2,4 Mill. verkauften Fahrzeugen hinter Deutschland, Italien und Großbritannien auf Platz vier.
Einer vergangene Woche veröffentlichten Studie des Essener Marktforschungsinstituts Polk zufolge wird Russland Deutschland als größten Pkw-Markt Europas spätestens 2010 ablösen. Ein Zuwachs von etwa 60 Prozent in den nächsten drei Jahren werde die Neuzulassungen bis dahin auf über 3,7 Mill. Wagen steigen lassen. In Deutschland waren die Zulassungen 2007 mit 3,2 Mill. Fahrzeugen auf das tiefste Niveau seit der Wiedervereinigung gesunken. Auch für das laufende Jahr erwartet die Branche keine durchgreifende Besserung.

