Renault
Pariser Planwirtschaft

Dellen beim Absatz, Kratzer am Image und Unruhe bei den Aktionären – Renault-Chef Carlos Ghosn ist ins Schleudern gekommen. Jetzt geht der Wundermann der Automobilszene mit neuen Modellen in die Offensive. Eine Handelsblatt-Reportage.

FRANKFURT. Kaum ist der offizielle Teil der Veranstaltung beendet, die Rede gehalten, der Scheinwerfer ausgeschaltet, läuft Carlos Ghosn rastlos zwischen seinen Gästen hin und her. 350 Autohändler hat er nach Frankfurt eingeladen. „Renault braucht Sie, und Sie brauchen uns“, beschwört der Konzernchef. „Bisher haben wir defensiv agiert, jetzt greifen wir an“, kündigt er die größte Modelloffensive in der Geschichte des Unternehmens an. Im kommenden Jahr rollt im Schnitt jeden Monat ein neuer Renault in die Schauräume.

Ghosn will mit der persönlichen Ansprache vor allem eines erreichen: überzeugen, überzeugen, überzeugen. Keine Frage weist er zurück – ob die Qualität der Autos wirklich besser, das Unternehmen wie angekündigt wesentlich profitabler und der in Brasilien gebaute neue Fünftürer Sandero eventuell auch in Europa angeboten werde. Ghosn kämpft, bis er den Willen zur Offensive durch immer neue plakative Formulierungen und positive Schlagwörter in den Köpfen seiner Gäste eingebrannt hat.

Carlos Ghosn, Chef des Autokonglomerats Renault und Nissan, hat gestern zum Auftakt der Internationalen Autoausstellung (IAA) in Frankfurt die neuen Renault-Modelle vorgestellt. Zum Abschluss der Präsentation fuhr er in einem Laguna-Coupé vor.

Doch es war nicht einfach eine Präsentation neuer Produkte, wie es sie dieser Tage auf der Leistungsschau der PS-Branche dutzendfach zu sehen gibt. Nein, hier ging es um viel mehr – um die Zukunft eines Managers, der als Wundermann der Automobilszene gefeiert wurde, der aus dem Pleitekandidaten Nissan ein profitables Unternehmen machte, der als erster Vorstandschef der Branche zwei Autokonzerne parallel führt.

Dieses Image hat in den vergangenen Monaten Kratzer bekommen. Spätestens seit Ghosn bei Nissan seine Ziele verfehlte und bei der Hauptversammlung Mitte des Jahres lautstarke Proteste erntete, ist unübersehbar: Das Herzstück von Ghosns Management-Philosophie ist aus dem Takt geraten. Der Mann, der sonst Punkt für Punkt seine Pläne abhakt, muss plötzlich zurückrudern.

Für den 53-Jährigen ist ein Plan nicht nur Mittel zum Zweck, sondern eine Verpflichtung. Ein Plan schafft Klarheit darüber, ob seine Arbeit erfolgreich ist oder nicht. Er verpflichtet das Unternehmen gegenüber den Investoren. „Wir geben ihnen Eckpunkte, dann können sie unsere Leistung daran messen“, sagt Ghosn.

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