Renault und PSA
Die Deutschen hängen die Franzosen ab

Während bei BMW, Daimler und VW die Geschäfte boomen, geraten die Konzerne der Grande Nation ins Abseits. Sparprogramme und Offensiven in der gehobenen Klasse sollen den Weg aus der Krise weisen. Bisher vergebens.

ParisDer gute Vorsatz ist vor allem ein Eingeständnis: Carlos Ghosn will mehr Zeit in Frankreich verbringen. Der 57-Jährige ist seit sechs Jahren Chef von Renault, und im Konzern läuft es alles andere als rund. Das Unternehmen braucht die ungeteilte Aufmerksamkeit des Chefs. Gleiches gilt für den Konkurrenten im Lande, PSA, den Zusammenschluss von Peugeot und Citroën. PSA-Chef Philippe Varin, musste am Mittwoch sogar eine Gewinnwarnung herausgeben.

Aus französischer Sicht ist es wie verhext: Während die deutschen Konkurrenten VW, Daimler und BMW auf Rekordjagd sind, stecken die Autobauer der Grande Nation in Schwierigkeiten - vornehm formuliert. Die PSA-Zahlen sind alles andere als überzeugend. Statt eines Überschusses von 621 Millionen Euro wird für das laufende Geschäftsjahr nur noch ein Ergebnis an der Gewinnschwelle erwartet. Mehr als 6000 Stellen werden gestrichen, um die mangelhafte Rentabilität zu steigern.

Das Sparprogramm soll die Kosten um 800 Millionen Euro senken. Die Belegschaft fürchtet sogar Werkschließungen. Als besonders gefährdet gelten dabei die Standorte Madrid sowie Aulnay-sous-Bois im Großraum Paris. Seit kurzem müssen PSA und der heimische Konkurrent Renault sogar wieder auf Kurzarbeit zurückgreifen.

Angesichts der Probleme blicken die französischen Automobilbauer neidisch über den Rhein, wo das Geschäft der deutschen Fahrzeughersteller brummt. "Der Unterschied liegt vor allem in der Qualität der Produkte und der Mitarbeiter", sagt Jürgen Pieper, Autoanalyst beim Bankhaus Metzler. Das zeige sich derzeit sehr stark. Die beiden französischen Konzerne können auch beim Design nicht dagegenhalten und verkaufen inzwischen zusammen weniger als der Volkswagen-Konzern allein.

PSA hängt stark vom stagnierenden europäischen Markt ab - zu stark. Dort erzielt der Konzern fast 60 Prozent Umsatz. Deshalb schmerzt der Verlust von einem Prozentpunkt Marktanteil in Europa seit Jahresbeginn enorm. Besonders in Frankreich beklagt PSA einen "verstärkten Preiskrieg".

Auch auf der Kostenseite gibt es ein Problem. Die Fixkosten in Frankreich, wo PSA seine halbe Belegschaft hat, sind laut Firmenchef Varin in einem Jahrzehnt um 30 Prozent gestiegen - und damit dreimal so stark wie in Deutschland. Mehrfach hat Varin beschworen, die Kosten müssten dringend gesenkt werden. Ohne Erfolg. Jetzt kommt das nächste Sparprogramm. Dabei ist das alte aus dem Jahr 2009 noch gar nicht abgeschlossen. Es sollte 3,7 Milliarden Euro in drei Jahren bringen.
Die Sünden der Vergangenheit rächen sich. "Die Franzosen haben in der Krise als Erstes nach Staatshilfe gerufen", sagt Analyst Pieper. Die deutschen Autobauer bekamen zwar auch Staatshilfe über die sogenannte Abwrackprämie. Aber: "Sie haben ihre Hausaufgaben gemacht und die notwendigen, teils schmerzhaften Einschnitte vorgenommen."

Ein weiteres Problem der französischen Autobauer: Sie profitieren nicht so vom Boom in China und in Nordamerika wie die Deutschen. Das ist Varin sehr wohl bewusst, erwartet er doch zwei Drittel des weltweiten Branchenwachstums in den kommenden zehn Jahren in Asien. In China allerdings kommt sein Konzern nur etwa auf ein Viertel des Geschäfts von VW.

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