Rennen scheint wieder offen
Fiat legt im Opel-Poker nach

Im Ringen um Opel schickt sich der italienische Autobauer Fiat an, in letzter Minute den Favoriten Magna noch auszubremsen. Die Italiener legten angesichts eines wachsenden Rückhalts für den kanadisch-österreichischen Rivalen am Wochenende nach und besserten ihre Offerte auf. Auch bei den anderen Bietern gab es Bewegung.

FRANKFURT. Unter anderem äußere sich Fiat genauer zur Risikoverteilung und zur Eigenkapitalausstattung. Aber auch bei den anderen Bietern gebe es Bewegung. "Wir spüren Verhandlungsbereitschaft an allen Stellen", sagte der Minister. Magna, das nach GM zuletzt auch in der deutschen Politik wachsende Zustimmung gefunden hatte, muss damit noch einmal um den Zuschlag für Opel bangen. Bereits für Montag hat die Bundesregierung ein neues Spitzentreffen zu Opel angesetzt.

Fiat zieht mit seinem überraschenden Vorstoß offenbar die Konsequenzen daraus, dass Magna sich immer deutlicher als Favorit abgezeichnet hatte. So zeigten Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier sowie drei der vier Bundesländer mit Opel-Standorten am Freitag eine klare Präferenz für Magna. Der Auftragsfertiger baut damit seinen Vorsprung gegenüber den beiden Konkurrenten, neben Fiat noch der US-Finanzinvestor Ripplewood, weiter aus - doch nun scheint das Rennen auf der Zielgerade wieder offen. Die Bundesregierung strebt an, möglichst noch diese Woche vor einer wahrscheinlichen Insolvenz des Mutterkonzerns General Motors eine Grundsatzentscheidung über den bevorzugten Investor zu fällen. Magna habe ein sehr solides Konzept vorgelegt, betonte Steinmeier. Nun müsse GM und Magna rasch die letzten Detailfragen klären.

Doch nicht überall stößt Magna auf Zustimmung. Widerstand meldete Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers an. Grund sind die Pläne des Zulieferers, den Großteil des in Deutschland geplanten Stellenabbaus im Werk Bochum vorzunehmen, wo allein 2200 Jobs wegfallen sollen. Nach Worten des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck sieht das Magna-Konzept in Deutschland insgesamt die Streichung von 2500 Arbeitsplätzen vor, in ganz Europa sind es 10 000. Fiat will danach insgesamt 12 000 Jobs abbauen, davon in Deutschland deutlich mehr als Magna - aber das war noch vor den Nachbesserungen.

Fiat wollte sich zu den Nachbesserungen nicht äußern. Das Unternehmen hatte am Freitag mitgeteilt, dass die Stellenstreichungen "über ganz Europa verteilt und zeitlich gestreckt, insgesamt unter 10 000 liegen werden. Die Auswirkungen auf Deutschland werden also entsprechend geringer als diese Zahl sein", ließ der Konzern in einer Mitteilung wissen. Damit liegt die Zahl auch deutlich unter der von Beck genannten. Der Bild am Sonntag sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne, in Deutschland würden im ungünstigsten Fall bei „maximal 2000“ Stellen wegfallen.

Fiat-Chef Sergoi Marchionne gab sich am Freitag Abend dennoch weniger siegessicher als zuvor. "Es ist schwer zu sagen, wie es ausgeht. Das ist eine komplexe Partie, weil es ein Wahljahr in Deutschland ist", sagte er am Freitag Abend am Rande einer Vernastaltung in Rom.

Regierungschef Silvio Berlusconi übte sich dagegen in Optimismus: „Es ist noch keine verlorene Chance“, sagte Berlusconi am Samstag. Angesichts der Berichte über eine Vorliebe für Magna versicherte Berlusconi, dass die deutsche Regierung „absolut unparteiisch“ sei. Der Minister für Wirtschaftsentwicklung Claudio Scajola zeigte sich überzeugt, dass die Fiat-Offerte industriell die „größere Perspektive“ biete.

Bei den Mitarbeitern in Italien steigt indes die Furcht um die heimischen Arbeitsplätze. Am Samstag haben rund 5000 Menschen im sizilianischen Termini Imirese, wo 2100 Fiat-Mitarbeiter arbeiten, gegen mögliche Entlassungen demonstriert. Nach einem Bericht des Corriere della Sera hat zu Gutenberg einen für Dienstag geplanten Besuch in Rom angesichts der delikaten Fiat-Verhandlungen abgesagt.

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