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Biberach: Wo die Krise ein Krisele ist

Mag die Krise auch wie ein Hurrikan übers Land fegen, in Biberach kommt nur ein lauer Herbststurm an. Aber irgendwann könnte die Rezession auch hier voll zuschlagen, in einer der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands. Noch geben sich die Unternehmer in Oberschwaben aber recht gelassen. Wie sich eine Kleinstadt gegen die Krise wehrt.

BIBERACH. Kurz, ganz kurz nur stutzt er beim Blick aus dem Fenster. "Da wartet ja nur ein Laster", sagt Arthur Handtmann, "was ist denn heute los?" Normalerweise stehen die Lastwagen Schlange auf dem Parkplatz vor Handtmanns Büro, um die Produkte des Unternehmers zu den Kunden zu bringen.

An diesem trüben Januartag sind nur schmutzig graue Schneereste und ein einzelner 18-Tonner auf dem Parkplatz zu sehen. Ist das die Rezession? Handtmann gibt sich gelassen. "Ich hab' mindestens fünf Krisen überstanden", sagt er, "wir werden auch diese überstehen und jede Gefährdung der Arbeitsplätze der Stammbelegschaft hier zu vermeiden versuchen."

Arthur Handtmann ist 81 Jahre alt. Er hat das Unternehmen im oberschwäbischen Biberach groß gemacht. Die Handtmann-Gruppe stellt Ölwannen für die Automobilbranche her, Armaturen und Reinigungsanlagen für Brauereien sowie Großmaschinen - etwa für den Flugzeugbau und die Nahrungsmittelbranche. Dafür hat Handtmann ein Gerät entwickelt, das bis zu 3000 Cocktailwürstchen in der Minute pressen kann. Der "rasende Wurstkatapult" brachte die Firma an die Weltspitze auf dem Markt für industrielle Wurstmaschinen.

Vor elf Jahren hat Arthur Handtmann die Führung des Unternehmens seinem Sohn Thomas übergeben. Offiziell ist der Senior Vorsitzender des Beirats. So ganz mag er aber vom laufenden Geschäft nicht ablassen. "Seien wir ehrlich, Vater: Gelegentlich rennen hier zwei herum und sehen nach dem Gleichen", sagt sein Sohn lachend.

Gemeinsam sitzen sie im Büro des Vaters. An der Wand ein Bild von Otto Dix. Es zeigt den Arbeiter einer Gießerei, wie er Sand in eine Form presst, bevor er sie mit flüssigem Eisen füllt. Es zeigt die Wurzeln des Unternehmens. Diese Sparte ist von der Krise am stärksten betroffen. "Im November ging es noch gut, im Dezember mussten wir auf die Bremse treten", sagt Thomas Handtmann, "Verträge mit 70 Leiharbeitern beenden und Kurzarbeit einführen."

Noch lässt sich keiner der Handtmanns davon nervös machen. Auch keiner der Vollmers, der Liebherrs, Boehringers und all der anderen Unternehmer in Biberach an der Riß. Sie machen diese Stadt zwischen Ulm und dem Bodensee zu einer Musterstadt im Musterländle, zu einer Stadt, die vor Kraft nur so strotzt - dank einer gesunden Mischung aus großen Industrieunternehmen, mittelständischen High-Tech-Schmieden und kleinen Weltmarktführern. Dazu gehört auch KaVo, ein Medizintechnik-Anbieter, der Bohrer und andere Geräte für Zahnarztpraxen in Biberach herstellt. Gustav Gerster mit Gardinen, Borten und Quasten für jeden Haushalt. Und Robert Straub, einer der größten deutschen Autovermieter, der seine Flotte von hier aus dirigiert. Viele der schwäbischen Unternehmen sind eine wichtige Säule der deutschen Wirtschaft, des Exportweltmeisters.

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