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Mädchen aus dem Norden

Der Stahlunternehmer Alexej Mordaschow will mit Arcelor an die Weltspitze. Weil der russische Oligarch aber allerorten Misstrauen erntet, hat er nun eine Charmeoffensive eingeleitet.

TSCHEREPOWEZ. Severjanka – der Name will so gar nicht zu dem 136 Meter hohen Ungetüm passen. Es vertilgt täglich 20 000 Tonnen Eisenerz. Pro Jahr spuckt es vier Millionen Tonnen Rohstahl aus. Severjanka bedeutet so viel wie „das Mädchen aus dem Norden“, steht im nordrussischen Tscherepowez und ist einer der größten Hochöfen der Welt. An einem der Zugänge erinnert eine Tafel an die Einweihung – 1986 zum 27. Parteitag der KPDSU.

Das Mädchen samt dem 5 000 Hektar großen ehemaligen Kombinat in Tscherepowez gehört indes schon lange nicht mehr den Genossen, sondern seit der Privatisierung 1993 einem Mann, der in Europas Stahlindustrie derzeit für Aufsehen sorgt: Alexej Mordaschow.

Der 40-jährige ist Chef des zweitgrößten russischen Stahlherstellers Severstal. Jetzt will der Multimilliardär seine Severjanka in die 13 Milliarden Euro teure Ehe mit Arcelor einbringen, dem zweitgrößten Stahlkocher der Welt.

Um seinen Konzern vor dem Zugriff des Inders Lakshmi Mittal zu retten, hatte Arcelor-Chef Guy Dollé den Russen überraschend als Partner präsentiert. Weil Mittal aber nicht kampflos auf Arcelor verzichten mögen, tobt seit Wochen die größte Übernahmeschlacht der Stahlbranche, die am Mittwoch in Luxemburg beim Arcelor-Aktionärstreffen in die nächste Runde geht.

In diesem Bietergefecht sieht sich der jungenhafte Firmeneigner aus Russland neben Mittal mit einem Gegner konfrontiert, den er bisher nicht fürchten musste: die öffentliche Meinung im Westen Europas.

Ein reicher Russe? Anleger von Arcelor beäugen Mordaschow mit Misstrauen. Oligarch? Vertrauter Putins? Freund des Kremls? All dies haftet ihm an. Und das muss sich ändern – schnell, sonst könnte er die Schlacht um Arcelor verlieren.

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