Reportage
Gekommen, um abzuheben

Lieferverzögerungen beim Riesenflieger A380, erzwungene Neuentwicklung beim Langstreckenjet A350, zwei abgesetzte Vorstände. Airbus und Mutterkonzern EADS haben jede Menge Probleme. Die neue EADS-Doppelspitze versucht auf der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough, den bruchgelandeten Flugzeugbauer wieder flügge zu machen. Ein Handelsblatt-Report.

FARNBOROUGH. Das Objekt des Desasters ist perfekt in Szene gesetzt. Hinter einem schmalen Absperrgitter steht der Riesen-Airbus, im Heck pfeift sein Aggregat. Die Heckflossen winken dem Besucher zu, wie eine bildgewordenen Einladung hat sich die Tür zur Seite geöffnet. In seiner ganzen martialischen Größe präsentiert Airbus die A380, fast könnte der Mega-Jet dem Pressezelt ein wenig Schatten in Englands Sommerhitze spenden. Ein Bild, eine Botschaft: Er kommt, er fliegt, und er wird begeistern.

„Airbus, Airbus und nochmal Airbus“, ruft im Zelt der deutsche EADS-Chef Tom Enders dem Publikum zu, und beschreibt seine Arbeit für die nächsten Wochen. Der Franzose Louis Gallois sitzt neben ihm und nickt. Die beiden kennen sich schon lange, seit zwei Wochen haben sie den gleichen Job.

Ein schwieriger Job.

Zum ersten Mal stellt sich die neue Doppelspitze des europäischen Flugzeugherstellers EADS nach dem Auslieferungsdesaster um die A380 der Öffentlichkeit. „Nobody’s perfect“, hatte Gallois bereits im Vorfeld verkündet. Hier in Farnborough will EADS nun das Ende aller Probleme verkünden: Alles wird gut.

Die Luftfahrtshow in Farnborough ist der wichtigste Branchentreff in diesem Jahr. Es ist müßig zu diskutieren, ob der Termin für EADS und seine wichtige Flugzeugtochter Airbus zu früh, zu spät oder gerade richtig kommt. EADS und Airbus stecken in der schwersten Krise ihrer Geschichte, da muss man halt auf die Rampe und mitfeiern bei der großen Branchenparty.

„Wir müssen das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen“, sagt Enders, und Gallois nickt. Der Franzose sagt wenig, und wenn, dann wiederholt er wortreich Enders’ Sätze, dann geht es um das wichtigste Thema im Konzern. Ja, es gebe viel zu tun bei dem Flugzeugbauer, ja, mehr Synergien seien notwendig. Und im Prinzip sei Airbus eine tolle Firma.

Ein wenig blass wirkt der Franzose neben dem gut gebräunten Deutschen. Der weiß, dass er der starke Mann der Doppelspitze ist. Enders ist seit einem Jahr Chef, Gallois erst seit zwei Wochen. „Wir arbeiten zusammen“, sagt er – und wieder nickt Gallois.

Gallois ist die neue Unbekannte ihm EADS-Spiel. Er ersetzt den bisherigen Enders-Partner Noël Forgeard, der wegen dubioser Aktienverkäufe und der Airbus-Krise Mitte Juni gehen musste. Forgeard und Enders, das war wie Feuer und Wasser. „Die lebten in Parallelwelten“, sagt ein hoher EADS-Mitarbeiter.

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