Reportage
Mit dem Opel-Gelöt ums Blog

Internet-Tagebücher, so genannte Blogs, schießen heutzutage wie Pilze aus dem Erdboden. Neuerdings versuchen Konzerne wie Coca-Cola, die Autoren solcher Meinungsplattformen für ihr Marketing einzuspannen – nicht gerade mit überwältigendem Erfolg.

BERLIN. Die Gegend nahe des Berliner Ku’damms hat ihre besten Zeiten hinter sich: Die Belustigungen in der Nachbarschaft sind eher rotlichtiger Natur, das nicht gerade aparte Hotel auf der anderen Straßenseite nennt sich „Apart“ und beherbergte in der jüngsten Vergangenheit Fußballfans wechselnder Nationalitäten, die ihr Frühstück mit Produkten nach deutschem Reinheitsgebot anreichern.

Ein schlichtes Klingelschild mit Coca-Cola-Logo ist der einzige Hinweis, dass hier ein Weltkonzern im kleinen – wenn auch sehr kleinen – Maßstab testet, wie das so laufen könnte mit der Markenkommunikation der Zukunft.

Denn im obersten Stock, in einem lichten, über 200 Quadratmeter großen Apartment mit Dachgarten, residiert noch bis heute eine temporäre Wohngemeinschaft unter dem Titel „We all speak football“. Und sie wohnt nicht nur, sie schreibt, filmt und spricht darüber im Internet (» www.weallspeakfootball.com).

Die WG ist ein neuer Versuch zu ergründen, ob sich moderne Internet-Instrumente wie Weblogs, also Internet-Journale mit Kommentarfunktion, oder Podcasts, eine Art Radio zum Herunterladen, für das Marketing nutzen lassen. Nicht nur Coca-Cola treibt dieses Thema um: Auch Opel und Chiphersteller AMD versuchen sich auf diesem Feld.

Die drei Projekte haben eines gemeinsam: Sie bedienen sich der Hilfe von Weblog-Autoren, die eine feste Leserschaft mitbringen sollen. Coke beispielsweise engagierte einige Blogger, wie diese sich abkürzen, die während weiter Teile der vier WM-Wochen in Berlin nächtigten. Weitere Weblog-Schreiber konnten sich als Kurzzeitgäste bewerben. Sie alle, über 50 aus elf Nationen, schrieben größtenteils auf Englisch.

Spricht man mit Tim Kopp, bei Coca-Cola weltweit als Vize-Präsident für interaktives Marketing verantwortlich, über das Projekt, hört man Sätze aus dem Marketinglehrbuch: „Wir versuchen, einen Dialog mit dem Konsumenten zu beginnen – mit seinen Regeln, nicht mit unseren. Und welche bessere Gelegenheit gäbe es als die WM?“ Doch über braune Brause wird wenig geschrieben und gesprochen. „Ich wusste nicht mal, dass sie so viele Global Directors und Ähnliches haben“, heißt es einmal spitz über einen Besuch der Verantwortlichen in der WG. Und über „Black“, eine neue Limonade mit Kaffeegeschmack, muss man sich anhören: „Gebt mir entweder kalte Coke oder heißen Kaffee – nicht irgendwas dazwischen.“

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