Research in Motion
Saftige Brombeere

Manche Unternehmen sind so erfolgreich, dass sie nicht einmal aus dem Tritt kommen, wenn sie sich selbst ein Bein stellen. Die kanadische Research In Motion, kurz Rim, gehört dazu. Mit ihrem Blackberry (Brombeere), einem Handy für den drahtlosen Austausch von E-Mails, eroberte sie die Geschäftswelt im Sturm.

PORTLAND. Millionen Amerikaner nutzen den Blackberry, viele sind davon abhängig, und das laufende Tippen von Nachrichten auf der Mini-Tastatur hat eine neue Muskelerkrankung generiert: den Blackberry-Daumen. Weder ein langer und schließlich verlorener Patentstreit noch die Verwicklung in den Skandal um Termin-Manipulationen bei Optionen konnten Rims Erfolg bislang nachhaltig stören.

Mit den neuesten Blackberry-Versionen geht das Unternehmen forciert in ein Segment, das Apple erst ab Juni mit seinem iPhone zu besetzen hofft: den Markt für teure, modische Alleskönner-Handys zum Telefonieren, Surfen, E-Mailen, Fotografieren und Musikhören. Nachdem die dominante Position im Firmengeschäft durch laufende Verbesserung des Blackberry zementiert ist, bietet RIM zusammen mit AT&T nun auch Geräte für Privatkunden.

AT&T, zweitgrößter Mobilfunkanbieter der USA, bietet das Blackberry-Smarthandy Pearl einschließlich GPS-Navigation, Speichererweiterung und internationalem Roaming für 199 Dollar. Experten sehen darin bereits den Killer des iPhone, das ebenfalls über AT&T auf den Markt kommt und zwischen 500 und 600 Dollar kosten soll.

Kein Wunder also, dass weder der teure Patentstreit mit NTP noch der Optionsskandal, der zum Rücktritt von Co-Chef James Balsillie als Verwaltungsratschef führte, dem Aktien-Kurs etwas anhaben konnten. Der Prozess um E-Mail-Softwarepatente offenbarte die zentrale Rolle des Blackberry bei drahtlosen Mails: Als das Gericht drohte, den Dienst in den USA zu verbieten, protestierten nicht nur Firmen, sondern auch Ministerien. Vor einem Jahr legte RIM den Streit mit der Zahlung von 612,5 Millionen Dollar an NTP bei. Seitdem verdoppelte sich der Aktienkurs zeitweilig auf über 140 Dollar.

Auch der Skandal um Terminmanipulationen bei Optionen, in den inzwischen fast 150 US-Firmen verwickelt sind, hinterließ keine Bremsspuren an der Börse. Nach interner Untersuchung gab Rim zu, dass von 2002 bis 2006 Optionen in 321 Fällen nicht ordnungsgemäß bilanziert wurden und die Ergebnisse um 250 Millionen Dollar korrigiert werden müssen, deutlich mehr als erwartet. Zum Erstaunen einiger Experten schob Rim diese „Versehen“ auf abweichende Bilanzierungsregeln in den USA und dem Firmensitz Kanada.

Die offensive Vorwärtsverteidigung – Eingeständnis von Falschbuchungen, Kooperation mit den Behörden, Korrektur der Ergebnisse und Stühlerücken in Management und Verwaltungsrat – scheint bislang zu funktionieren. Obwohl die Finanzaufseher in den USA und Kanada weiter ermitteln, knickte der Kurs nur unmerklich ein.

Grund war nicht zuletzt, dass saftige Gewinne und der Zuwachs von über einer Million neuer Kunden im jüngsten Quartal die schlechten Nachrichten überlagerten. Selbst in der jüngsten Börsenschwäche behauptete RIM mit einer Notierung von 135 Dollar ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 55, gegenüber 44 bei Google, die ebenfalls an einem eigenen Internet-Handy arbeiten sollen, und 32 bei Apple. Konkurrent Palm, der schon länger die zweite Geige bei Smartphones spielte, sucht angesichts sinkender Marktanteile und wachsender Konkurrenz bereits nach einem Übernehmer.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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