Reserven in Rechnung gestellt
Verfahren gegen Stromanbieter eingeleitet

Wegen angeblich zu hoher Rechnungen hat die Bundesnetzagentur ein Verfahren gegen alle vier großen deutschen Stromanbieter eingeleitet. Den Unternehmen wird vorgeworfen, ihren Kunden in den Jahren 2006 und 2007 Reservestrom im Wert von insgesamt 800 Millionen Euro ungerechtfertigt in Rechnung gestellt zu haben.

HB DÜSSELDORF. Die Bundesnetzagentur hat gegen die vier großen deutschen Energiekonzerne ein Verfahren wegen angeblich überzogener Rechnungen eingeleitet. Ein Sprecher der Behörde sagte am Samstag, man prüfe, ob Eon, RWE, Vattenfall Europe und EnBW ihren Kunden Kosten für die Bereitstellung von Stromreserven ungerechtfertigt berechnet hätten. Die Konzerne müssen solche Reserven vorhalten, um Schwankungen in der Nachfrage oder der Produktion jederzeit ausgleichen zu können.

Der Regulierer reagiert mit der Prüfung nach eigenen Angaben auf einen Antrag des Hamburger Ökostromanbieters Lichtblick und des Bundesverbands Neuer Energieanbieter (BEN). Das Magazin „Der Spiegel“ berichtete vorab, Lichtblick und der BEN hielten den Energieriesen in einem Gutachten vor, überflüssige Reserven in Rechnung gestellt zu haben. Insgesamt hätten sie 2006 und 2007 rund 800 Millionen Euro zu viel kassiert. Die Netzagentur wolle den Fall innerhalb der kommenden zwei Monate entscheiden. Die Behörde wollte sich zum Stand des Verfahrens nicht äußern. Von Lichtblick und dem BEN war keine Stellungnahme zu erhalten.

RWE erklärte, der Konzern sei Anfang März von der Netzagentur zu einer Stellungnahme aufgefordert worden und wolle diese in den nächsten Wochen vorlegen. „Die Vorwürfe sind haltlos“, sagte ein Sprecher von RWE Transportnetz Strom. „Die genannten Kosten entsprechen nicht der Realität und sind um ein Vielfaches zu hoch.“ Wie hoch die Kosten waren, sagte er nicht. Die großen Übertragungsnetze sind in Deutschland in der Hand der vier Energieriesen. Jedes Unternehmen ist in einer Zone für den sicheren Betrieb verantwortlich. Darüber hinaus kooperieren sie, wenn es in den Nachbarzonen zu starken Schwankungen bei der Nachfrage oder bei der Stromproduktion kommt. Hierfür halten sie Stromreserven bereit.

Kritiker bemängeln die Zersplitterung in mehrere Zonen. Gäbe es nur eine Zone, würden solche Kosten nicht anfallen, beklagen sie. „Es ist ein europäisches System und kein spezifisch deutsches“, sagte demgegenüber der RWE-Sprecher. In 24 Staaten in Kontinentaleuropa gebe es 29 Zonen von ebenso vielen Netzbetreibern. Diese kooperierten zonenübergreifend miteinander und sorgten damit über Landesgrenzen hinaus für den Ausgleich von Schwankungen.

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