Restriktionen
Pharma-Marketing unter Beschuss

Im Kampf gegen gesetzeswidrige Vertriebsmethoden der Arzneimittel-Konzerne erstreitet die US-Justiz immer höhere Summen: Die zunehmenden Marketing-Restriktionen dämpfen das Wachstum der Branche. Betroffen von dem Vorgehen der US-Behörden ist auch die deutsche Pharmaindustrie.

FRANKFURT. Die Pharmabranche muss sich im US-Geschäft auf härtere Restriktionen im Marketing einstellen. Diese Entwicklung dürfte zur Wachstumsschwäche auf dem amerikanischen Pharmamarkt mit beitragen. So legten die Umsätze in US-Apotheken nach jüngsten Daten des Marktforschers IMS Health bis November 2008 nur noch um ein Prozent zu.

Hintergrund ist zum einen der zusehends härtere Kurs der US-Justiz gegen ungesetzliche Vertriebsmethoden der Branche. Die britische Glaxo-Smithkline etwa gab Ende vergangener Woche die Rückstellung von zusätzlichen 400 Mio. Dollar für entsprechende Verfahren bekannt. Der Branchenführer Pfizer offenbarte im jüngsten Quartalsbericht sogar 2,3 Mrd. Dollar an Belastungen für Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem Marketing für das inzwischen vom Markt genommene Schmerzmittel Bextra und andere Produkte.

Der US-Pharmahersteller Eli Lilly verständigte sich vor zwei Wochen mit den US-Justizbehörden auf die Zahlung von insgesamt 1,4 Mrd. Dollar. In diesem Fall geht es um Straf- und Schadensersatzzahlungen im Zusammenhang mit dem Schizophreniemedikament Zyprexa. Lilly wurde vorgeworfen, aktiv die Verschreibung des Wirkstoffs für nicht zugelassene Anwendungsbereiche wie die Behandlung von Depressionen, Angstzuständen und Demenzerkrankungen gefördert zu haben. Der Konzern bekannte sich schuldig und zahlt nun mit 515 Mio Dollar die bisher höchste Strafsumme, die jemals gegen ein Unternehmen in den USA verhängt wurde. Hinzu kommen weitere Bußgelder und Vergleichszahlungen von 900 Mio. Dollar.

Betroffen von dem Vorgehen der US-Behörden ist auch die deutsche Pharmaindustrie: Im November einigte sich Bayer in einem Vergleich mit der US-Justiz auf die Zahlung von 97 Mio. Dollar wegen unlauterer Vertriebsmethoden im Geschäft mit Diabetes-Testgeräten.

Fast alle namhaften Pharmahersteller waren in den letzten Jahren in derartige Verfahren verwickelt. In aller Regel geht es dabei um nicht erlaubte Vertriebsmethoden, teilweise auch um fehlerhafte Abrechnungen gegenüber staatlichen Einrichtungen wie die Medicare-Versicherung für ältere Menschen. Vor allem tendieren Pharmakonzerne immer wieder dazu, den Einsatz ihrer Medikamente außerhalb der zugelassenen Einsatzgebiete („off-label“) gezielt durch eigenes Marketing zu fördern.

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