Restrukturierung
BASF plant harte Einschnitte bei Ciba

Für BASF ist die Übernahme von Ciba ein wichtiges Geschäft und verspricht langfristig Wachstum. Die Mitarbeiter bekommen allerdings die Kehrseite des großen Geschäftes zu spüren: Der Chemiekonzern hat nach der Übernahme des Schweizer Konkurrenten Ciba den Abbau von 3 700 Arbeitsplätzen bis 2013 angekündigt.

FRANKFURT. Mit einer ungewöhnlich harten Restrukturierung will der Chemiekonzern BASF die Integration der Schweizer Ciba-Gruppe verbinden. Der Chemieriese prüft bei 23 von insgesamt 55 Ciba-Produktionsstandorten einen Verkauf oder eine Schließung. Rund 3 700 Arbeitsplätze sollen abgebaut und die Kosten um jährlich mindestens 400 Mio. Euro gesenkt werden.

Gegenüber früheren Plänen hat die BASF dabei ihre Synergieziele nochmals leicht erhöht. Das am Montag genannte Sparvolumen entspricht knapp elf Prozent des letztjährigen Ciba-Umsatzes. Zuvor wurden Synergien von rund zehn Prozent des Umsatzes genannt, bei Abschluss des Deals im vergangenen September war von mehr als den branchenüblichen fünf Prozent die Rede.

Der Zwang, heftiger durchzugreifen als ursprünglich erwartet, resultiert aus der extrem schwachen Geschäftsentwicklung in den meisten Ciba-Sparten.

Branchenkenner werten die Pläne als Indiz für den generell wachsenden Druck in der Branche, überschüssige Kapazitäten zu bereinigen. Die Auslastung der Anlagen in Europa bewegte sich nach Daten des Industrieverbands Cefic Ende des ersten Quartals bei nur noch etwas über 70 Prozent.

„Die Chemiebranche kommt nicht daran vorbei, ihr Angebot an die strukturell niedrigere Nachfrage anzupassen“, sagte Chemieanalyst Stephan Kippe von der Commerzbank. Es werde daher wohl einen weiteren Konsolidierungsprozess geben, da letztlich sehr viele Anbieter zu klein oder zu wenig spezialisiert seien, um auf dem globalen Markt mithalten zu können.

Auch der US-Konzern Dow Chemical hat sich nach der Übernahme des Spezialchemieherstellers Rohm & Haas sehr ehrgeizige Sparziele gesetzt. Dow will bei dieser Transaktion rund 1,3 Mrd. Dollar oder fast 14 Prozent des R&H-Umsatzes an Synergien realisieren.

Mit dem Kauf von Ciba hat BASF das Geschäft mit Kunststoffzusätzen, Pigmenten sowie Papier- und Wasserchemikalien verstärkt. Die meisten dieser Aktivitäten leiden derzeit stark unter dem Nachfrageeinbruch in der Kunststoffindustrie und im Bereich Papierchemie. Ciba hat nach BASF-Angaben im ersten Quartal operativ mit Verlust gearbeitet und dürfte auch im Gesamtjahr rote Zahlen schreiben.

Der Ludwigshafener Konzern hatte den Deal Mitte September – am Tag der Pleite der Investmentbank Lehman – besiegelt und Anfang April formal vollzogen. Für die Ciba-Aktien zahlte BASF dabei umgerechnet rund 2,2 Mrd. Euro. Einschließlich miterworbener Schulden von Ciba errechnet sich ein Transaktionswert von rund vier Mrd. Euro, was etwas mehr als einem Jahresumsatz von Ciba entspricht. Gemessen an der aktuellen Ertragssituation hat die BASF damit deutlich zuviel für den Spezialchemiehersteller gezahlt.

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