Restrukturierung
GM-Chef droht Opel-Arbeitern mit Insolvenz

Nach dem Aus für den Opel-Verkauf liegen die Nerven blank. Politiker wettern gegen General Motors, Gewerkschafter rufen zu Massenprotesten auf. Und GM droht, Opel pleite gehen zu lassen, sollten sich die Mitarbeiter gegen Zugeständnisse sperren. Die brüskierte Kanzlerin und Betriebsratschef Franz trafen sich derweil zu einem Krisengespräch.
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HB DÜSSELDORF. Nach der überraschenden Absage des Verkaufs von Opel schlägt dem US-Autoriesen General Motors (GM) in Deutschland massiver Widerstand entgegen. Politiker und Gewerkschafter äußerten am Mittwoch große Sorgen um die Zukunft der 25 000 Arbeitsplätze in Deutschland und der vier deutschen Werke von Opel.

Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz, der sich für den Autozulieferer Magna als neuen Eigentümer stark gemacht hatte, ging auf Konfrontationskurs: "Den Weg zurück zu GM werden wir nicht mitgestalten." Die IG Metall will mit Protesten vor den Werkstoren am Donnerstagmorgen zeitweise die Bänder von Opel lahmlegen.

Die brüskierte Bundesregierung forderte GM zur Rückzahlung ihres Überbrückungskredits in Höhe von 1,5 Mrd. Euro auf. "Wir werden gleichwohl gegenüber der amerikanischen Regierung auch deutlich machen, dass die Brückenfinanzierung zurückgezahlt wird", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Mit dem Wegfall der Investorenlösung sei auch die Geschäftsgrundlage für die Brückenfinanzierung weggefallen. Wilhelm fügte hinzu, er könne sich vorstellen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Sache noch einmal mit US-Präsident Barack Obama sprechen werde. Dieses Thema habe bei dem Treffen der beiden Regierungschefs am Dienstag in Washington aber keine Rolle gespielt.

Der US-Autobauer hofft derweil weiter auf staatliche Hilfe für die Sanierung des Rüsselsheimer Traditionsunternehmens. GM-Chef Fritz Henderson malte ein Insolvenzszenario an die Wand, wenn sich die Arbeitnehmer gegen Zugeständnisse sperrten: "Ein Scheitern der nötigen Restrukturierung würde in eine Insolvenz münden - was für alle Beteiligten unnötig und unerwünscht wäre", sagte er. GM hat eine viermonatige Blitz-Insolvenz selbst gerade erst überstanden und fühlt sich nun neu erstarkt.

GM veranschlagt die Sanierungskosten auf drei Mrd. Euro. Der bisher als Käufer ausgewählte Zulieferer Magna hatte von den Regierungen allein 4,5 Mrd. Euro zugesagt bekommen. GM greift nun auf seinen Plan von Ende 2008 zurück, der eine Senkung der Fixkosten um 30 Prozent vorsah. Sobald alle Details feststünden, solle der Plan der Bundesregierung vorgelegt werden. Magna wollte bis zu 10 500 der 50 000 Stellen bei Opel und Vauxhall streichen, alle vier Werke in Deutschland aber erhalten.

GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster schloss indes nicht aus, dass sich der US-Konzern bei der Sanierung von Opel am Konzept des nicht zum Zuge gekommenen Zulieferers Magna orientiert. „Es gibt einen Restrukturierungsplan, er ist mit Magna ausgearbeitet worden, das heißt aber nicht, dass er ohne Magna falsch ist“, sagte Forster am Mittwoch in Berlin. „Das wäre für mich ein Startpunkt.“ Ob das Konzept auch ohne den Zulieferer tragfähig wäre, müsse jetzt geprüft werden.

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Kommentare zu " Restrukturierung: GM-Chef droht Opel-Arbeitern mit Insolvenz"

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  • Herr Pfeifer, zwei Fragen: erklären Sie doch bitte mal dem Rest der Welt, wie es denn funktionieren kann, dass GM eine Firma, die "derzeit" (?) der Treuhand "gehört" (?), nicht verkauft. Die Eigentumsrechte der Treuhand müssen ja sehr weit reichend sein. Wieso verkauft dann die Treuhand "ihre" Firma nicht einfach an Magna? Das wäre nach ihrer Darstellung doch der logische Weg.
    Zum zweiten besteht bestimmt ein erhebliches interesse an ihren konzeptionellen Überlegungen und Fähigkeiten, nachfragebedingt nicht erforderliche Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen.
    ich kann mir in diesem Zusammenhang leider nicht erklären, warum Eigentümer A der genauso wie Eigentümer b 10.000 Arbeitsplätze abbauen will (muss?) deswegen von ihnen als Allroundlaie beschimpft werden muss?
    Es scheint zwar durchaus so zu sein, dass sich die Amerikaner schwer tun, profitabel vernünftige Autos zu bauen, aber beim Abschliessen von Verträgen müssen die zumindest der "Treuhand" noch was voraus haben, denn sonst wäre die Treuhand doch auch in der Lage, über ihr Eigentum zu entscheiden?
    ich bin jetzt echt gespannt, wer mangels Ahnung am Ende die F..... halten muss.

  • Herr Ströbele, wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die F.... halten. Opel gehört zur Zeit der Treuhand und nicht wie Sie behaupten GM. Und ich als MA dieser Firma bin nicht überzeugt, daß die Allroundlaien aus Detroit in der Lage sind, GM und Opel wieder profitabel zu machen. Klar wären auch bei Magna oder einem anderen investor 10.000 Jobs weggefallen aber zumindest traue ich deren Management mehr Weitsichtigkeit zu als unserer Führungsriege in USA.

  • To Willi Nickel. Du hast keine Ahnung. Wo hat Deutschland Microsoft, intel, Generalelectric, Google, boeing, Hp, Apple, Caterpillar, Sykorsky, Lockheed MArtin, ...

    Man kann nicht nur von Autos leben. Amerika lässt viele Jobstellen in Deutschland.

    Wie viele lässt Germany in Amerika?.

    Welche Deutschewerke sind in Amerika?.

    bMwshop, Mercedesshop, VWshop, keine Werke.

    Take care this.

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