Rettung für Konzern?
Mitarbeiter von Deilmann-Haniel verzichten auf Lohn

Der angeschlagene Bergbauzulieferer Deilmann-Haniel aus Dortmund hat sich mit seinen Mitarbeitern auf drastische Lohnkürzungen geeinigt. Doch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie schießt quer. Das könnte die ganze Sanierung gefährden, an der auch der andere Konzernteil Heitkamp hängt.

HB DORTMUND/BOCHUM. Wie Unternehmenssanierer Jochen Rölfs am Dienstag bestätigte, habe er sich mit dem Betriebsrat von Deilmann-Haniel auf einen Haustarifvertrag geeinigt, der von Juni an Einkommenseinbußen von durchschnittlich 5 000 Euro je Beschäftigten im Jahr vorsehe.

Die IGBCE hat für Gespräche über einen Stabilitätspakt die Rückkehr des Unternehmens zum Bergbautarifvertrag gefordert. Dann könne über Öffnungsklauseln geredet werden, sagte IGBCE-Sprecher Christoph Meer in Bochum. Das sei schon in der chemischen Industrie erfolgreich erprobt worden.

Den Tarifvertrag hat Rölfs mit dem Austritt aus dem Arbeitgeberverband gekündigt. Da noch eine Nachlaufzeit von fünf Monaten bestehe, könne die Gewerkschaft klagen, räumte Rölfs ein. Dagegen werde er dann aber Widerspruch einlegen. Angesichts der 1 600 Arbeitsplätze, die auf dem Spiel stünden, halte er eine Klage für wenig wahrscheinlich.

Meer betonte, die Gewerkschaft werde für Gespräche auf die Rückkehr zum Tarifvertrag bestehen. Darüber hinaus müsse Rölfs auch noch mit dem Pensionssicherungsverein über Pensionslasten ehemaliger Beschäftigter eine Regelung finden. Es soll um rund 60 Mill. Euro gehen.

Deilmann-Haniel ist Bestandteil der Heitkamp-Deilmann-Haniel-Gruppe mit Sitz in Herne. Der angeschlagene Konzernteil Heitkamp mit klassischem Hoch- und Tiefbaugeschäft ist inzwischen in ruhigeres Fahrwasser zurückgekehrt. Deilmann-Haniel ist aber weiter von Insolvenz bedroht. Wegen im Vergleich zu osteuropäischen Bauunternehmen zu hoher Preise hatte der Zulieferer zuletzt weniger Aufträge erhalten. Deilmann-Haniel arbeitet vor allem für die Deutsche Steinkohle AG.

Das Unternehmen

Historie: Für das 1892 als Tiefbaufirma gegründete Familienunternehmen E. Heitkamp war 1999 die Übernahme des Bergbau-Unternehmens Deilmann-Haniel ein Ausweg aus der Baukrise – mit ungewisser Zukunft.

Aufträge: Seit 2002 hat sich das Auftragsvolumen des einzigen Auftraggebers Deutsche Steinkohle im Bergbau praktisch halbiert. Ursache ist der Subventionsabbau. Um den kleiner werdenden Kuchen führen HDH und der Konkurrent Thyssen Schachtbau seit 2005 einen ruinösen Preiskrieg. Daneben wächst der Anteil von Bauunternehmen, die osteuropäische Subunternehmen beschäftigen.

Sanierung: Der Düsseldorfer Wirtschaftsprüfer Jochen Rölfs kam Mitte 2005 als Sanierer zur HDH. Während die Bausparte weitgehend saniert sei, sagte Rölfs, könne den Bergbau nur die Politik retten. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse würden nicht reichen.

Zahlen: HDH erzielt im Konzern mit 6 500 Mitarbeitern, davon 4 000 in Deutschland, einen Umsatz von 850 Mill. Euro, der sich in etwa jeweils zur Hälfte auf Bau und Bergbau verteilt. Im Bergbau werden 1 600 Mitarbeiter beschäftigt.

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