Rettungspaket: Scheitern trifft Zulieferer
„Würde GM stürzen, könnte Conti wackeln“

Die Schockwellen reichen rund um den Globus, nachdem das Rettungspaket für die US-Autobauer im Senat in Washington gescheitert ist. Sie dürften auch die deutschen Zulieferer hart treffen, die ohnehin teils ums Überleben kämpfen. Doch mittel- und langfristig könnten sich für sie auch Chancen eröffnen, falls die US-Hersteller sich nun schneller zu einem strukturellen Umbau durchringen würden.

DÜSSELDORF. "Kurzfristig würden sich die Probleme für die deutschen Zulieferer verschärfen", sagt Christoph Stürmer, Autoanalyst beim Frankfurter Prognoseinstitut Global Insight. Massive Schwierigkeiten erwartet er beispielsweise für den Getriebe- und Antriebsspezialisten Getrag. Das Unternehmen aus Untergruppenbach ist einem Sprecher zufolge der Meinung, es sei noch zu früh, um konkrete Auswirkungen abschätzen zu können. "Wir haben aber ein Sanierungskonzept erarbeitet, das zurzeit mit Betriebsrat und Gewerkschaft verhandelt wird." Nach Informationen der "New York Times" schulden General Motors und Chrysler ihren Zulieferern etwa zehn Mrd. Dollar für bereits ausgelieferte Teile. GM habe die Zahlungen schon seit Wochen zurückgehalten, Chrysler zahle in kleinen Abstufungen.

Nach der Senatsentscheidung gegen das Rettungspaket für die US-Autobauer wird es aus Stürmers Sicht wahrscheinlicher, dass die Hersteller einen tiefen organischen und strukturellen Umbau einleiten, den er für ihr langfristiges Überleben als unumgänglich erachtet. Besonders ein geändertes Verhältnis zu den Gewerkschaften hält er für notwendig. Diese träten nämlich für ein "Weiter so" mit möglichst geringen Veränderungen ein. Sie hatten sich geweigert, die von den Republikanern geforderten tiefgreifenden Lohnkürzungen zu akzeptieren und so zum Scheitern des Rettungspakets vor dem Senat beigetragen.

Käme der Schnitt, so müssten die amerikanischen Hersteller bei ihrer Geschäftspolitik weniger Rücksicht auf alte, obsolete Modelle nehmen, erwartet der Autoanalyst. Das würde Chancen für neue Modelle und damit energiesparende Konstruktionen eröffnen. Und da sind die deutschen Zulieferer Stürmer zufolge "technologisch fortgeschritten". Deshalb sieht er etwa die Systemzulieferer und Elektronikanbieter Bosch und Continental bestens aufgestellt, um mittel- und langfristig von einem derartigen Umbruch zu profitieren. Das gelte auch für Komponentenzulieferer wie Mahle oder Behr.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer betonte vor wenigen Tagen gegenüber Handelsblatt.com eher die Gefahren eines gescheiterten Rettungspakets: "Den anderen Autoherstellern ist auch nicht damit gedient, wenn Zulieferer in Konkurs gehen." Dies wäre wohl die logische Folge, wenn GM oder etwa Ford in den Abgrund fallen würden. Denn Zulieferteile machen laut dem Branchenverband VDA gut 75 Prozent des Wertes eines Automobils aus. Und: Kein Zulieferer dient nur einem Autohersteller.

"Ginge GM unter, dann würden bald auch bei Toyota die Bänder in den amerikanischen Werken still stehen", prophezeit der Professor an der Universität Duisburg-Essen eine Kettenreaktion mit verheerenden Auswirkungen auf die Zulieferer. Ein Beispiel: 60 Prozent der amerikanischen Zulieferer von Honda arbeiten auch für GM, Ford oder Chrysler. Eine Insolvenz von GM wäre "vergleichbar mit dem Fall Lehman Brothers im Bankenbereich und wird eine unkalkulierbare Abwärtsspirale in Gang setzen", warnte Dudenhöffer am Freitag gegenüber der Presseagentur dpa.

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