Rettungspläne
Escada gibt seinen Gläubigern mehr Zeit

Der angeschlagene Modekonzern Escada hat seinen Gläubigern gestern mehr Zeit eingeräumt, um über den vorgelegten Rettungsplan nachzudenken. Außerdem gab das Unternehmen Details zu der geplanten Kapitalerhöhung bekannt. Einige kritische Anleger könnten die Zustimmung allerdings verhindern - und das Unternehmen damit in die Insolvenz führen.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Escada die Frist zum Umtausch einer Anleihe, bei dem den Anlegern nur noch 40 Prozent des investierten Betrags blieben, bis zum 4. August. Ursprünglich sollten die Anleihe-Besitzer bis zum 31. Juli Zeit für den Umtausch haben. Wie viele Investoren sich bereits von ihren Papieren getrennt haben, sagte ein Konzernsprecher am Dienstag nicht. Die Fristverlängerung sei jedoch keine Reaktion darauf, dass sich zu wenige Gläubiger beteiligen. Ein weiteres Detail in dem Finanzplan ist eine Kapitalerhöhung von rund 29 Mio. Euro. Die Bezugsfrist läuft ab Donnerstag bis zum 5. August. Altaktionäre sollen für zwei alte eine neue Aktie zum Bezugspreis von 2,78 Euro bekommen.

Gestern notierte die Escada-Aktie bei 2,72 Euro. Die Tchibo-Familie Herz, der spanische Investor Bestinver und ein weiterer Investor sagten bereits zu, die neuen Aktien abzunehmen. Bedingung für die Kapitalerhöhung ist, dass mindestens 80 Prozent der Anleihe getauscht werden.

Mitte Juli hatte Escada bekanntgegeben, dass die Zustimmungsquote erst bei 37 Prozent liege. Das Unternehmen hatte deshalb den Barausgleich von 25 Euro je alter Schuldverschreibung im Nennwert von 1 000 bis zum Ende der Umtauschfrist verlängert. Ursprünglich war dieser nur für die Gläubiger vorgesehen, die bis Mitte Juli zugestimmt haben. Sollte die Umtauschquote 50 Prozent erreicht haben, muss die Luxusmarke die Anleger informieren. Bis gestern am frühen Abend war dies nicht der Fall. Ein Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sagte der Nachrichtenagentur dpa, mittlerweile hätten sich Anleger in einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, die die angepeilte Zustimmungsquote von 80 Prozent vereiteln könnte.

Vergleichbare Fälle zu Escada gibt es kaum. Einer ist der des österreichischen Sportartikelherstellers Head. Wie Escada schaffte es das Unternehmen nicht mehr, die Strahlkraft seiner Marken in geschäftlichen Erfolg umzumünzen. Die Anleihe von nominal 135 Mio. Euro hatte der Konzern platziert, als es dem Ski- und Tennisspezialisten noch besser ging. Doch mit rückläufigen Umsätzen wurde die hohe Zinslast zum Problem. Die Marke rutschte 2007 und 2008 in die roten Zahlen. Auch das erste Quartal 2009 endete bei Umsätzen von 57,2 Mio. mit einem Verlust von 11,8 Mio. Euro. Der Zinsaufwand schlug mit fünf Mio. Euro zu Buche.

Im April gab Head für die Anleihe ein nicht-öffentliches Umtauschangebot bekannt. Für 1 000 Euro Nennwert sollten bestimmte Investoren eine neue, besicherte Anleihe zum Nennwert von 350 Euro erhalten. Nach mehrmaliger Fristverlängerung hatten die Investoren Anfang Juli 6,6 Mio. Euro nominal angedient. Head verlängerte das Umtauschangebot erneut bis 31. Juli. Escada dagegen rennt die Zeit davon, eine weitere Fristverlängerung ist kaum möglich. Wenn der Umtausch der Anleihe nicht klappt, muss das Unternehmen nach eigenen Angaben Insolvenz beantragen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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