Rettungsversuch
Merckle einigt sich mit Gläubigern

Adolf Merckle hangelt sich von Atempause zu Atempause. In der vergangenen Nacht war es wieder soweit: Der in Geldnot geratene Unternehmer hat mit seinen Gläubigern eine Kreditstundung ausgehandelt - und rettet sich in Stillschweigen.

HB FRANKFURT. Der in Geldnöte geratene schwäbische Unternehmer Adolf Merckle hat mit seinen Gläubigerbanken eine Kreditstundung ausgehandelt. Die Vereinbarung sei von allen Beteiligten unterzeichnet worden, teilte Merckles VEM in der Nacht zum Dienstag mit. "Einvernehmen besteht zwischen den Parteien auch, Anfang Januar die restlichen Abkommen umzusetzen." Alle beteiligten gut 30 Gläubigerbanken hätten eine Kreditstundung für die nächsten Monate unterzeichnet, bestätigte Merckles VEM Vermögensverwaltung in einer Mitteilung. Damit könnte Merckle der Rettung seines Firmenimperiums einen Schritt weiter voran gekommen sein.

Es ist davon auszugehen, dass der 74-jährige Milliardär als Gegenleistung voraussichtlich die Kontrolle über wichtige Teile seines Unternehmensgeflechts abgeben muss. Wie aus Verhandlungskreisen bereits am Wochenende zu erfahren war, läuft das mit den Gläubigerbanken vereinbarte Finanzpaket wohl auf einen Notverkauf des Medikamentenherstellers Ratiopharm hinaus. Der Betriebsratsvorsitzende von ratiopharm, Odo Maxein, hält den Verkauf des Generikaherstellers inzwischen für wahrscheinlich und "wohl nicht mehr zu vermeiden", berichtet die "Südwest Presse". Dazu äußerte sich die VEM in ihrer Mitteilung nicht. Es hieß lediglich, mit der Einigung seien die "Voraussetzungen für eine nachhaltige Lösung der aufgetretenen Finanzierungsprobleme gegeben".

Zum Firmenimperium gehört neben dem Generikahersteller Ratiopharm und der Phoenix Pharmahandel AG & Co KG unter anderem auch der Pistenraupenhersteller Kässbohrer. Zudem hält er über Spohn Cement und die VEM knapp 80 Prozent an dem Baustoffhersteller HeidelbergCement.

Merckle hatte wochenlang mit seinen rund 30 Gläubigerbanken über einen Überbrückungskredit verhandelt. Merckle geriet in Bedrängnis, weil einige seiner Firmen hoch verschuldet sind und im Zuge der Finanzkrise drastisch an Wert verloren. Außerdem verspekulierte er sich mit Volkswagen-Aktien. Die Banken verlangten daher mehr Sicherheiten für ihre Kredite.

Über die VEM kontrolliert der Milliardär sein weit verzweigtes Firmenimperium. Hintergrund der Schwierigkeiten der VEM sind unter anderem auch Kapitalerhöhungen bei dem Baustoffkonzern HeidelbergCement, die teilweise mit Krediten finanziert wurden. Als Sicherheit dafür wurden Aktien bei den Banken hinterlegt, die aber im Zuge der Finanzkrise massiv an Wert verloren. In mit der Sache vertrauten Kreisen wurde der Finanzbedarf von Merckle in der Vergangenheit auf ein Volumen von 700 Millionen bis 1 Milliarde Euro geschätzt. Andere Quellen sprechen davon, dass auf der VEM mindestens Schulden in Höhe von drei bis fünf Milliarden Euro lasten.

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