Rettungsversuche gescheitert
Insolvenzverfahren über Wadan-Werft eröffnet

Nach gescheiterten Rettungsversuchen hat das Schweriner Amtsgericht wie erwartet das Insolvenzverfahren über die Wadan-Werften eröffnet. Insgesamt rund 2 500 Mitarbeiter in Wismar und Rostock-Warnemünde sind davon betroffen. Der zuständige Insolvenzverwalter äußerte sich allerdings "vorsichtig optimistisch", für beide Standorte einen Investor zu finden.

HB SCHWERIN. Nach gescheiterten Rettungsversuchen hat das Schweriner Amtsgericht wie erwartet das Insolvenzverfahren über die Wadan-Werften eröffnet. Von der Insolvenz seien insgesamt rund 2500 Mitarbeiter in Wismar und Rostock-Warnemünde betroffen, sagte Gerichtsdirektor Peter Winterstein am Samstag der dpa. Die Gläubiger hätten bis zum 14. September Zeit, ihre Forderungen anzumelden. Im Juni hatte Insolvenzverwalter Marc Odebrecht die Summe der Lieferantenverbindlichkeiten mit rund 100 Mio. Euro beziffert. Wie lange das Insolvenzverfahren dauern wird, konnte Winterstein nicht einschätzen.

Für die Mitarbeiter, von denen in den vergangenen Tagen mehr als 95 Prozent die Auflösungsverträge unterschrieben haben, beginnt mit dem Eintritt in die Transfer-Gesellschaften an diesem Montag die Weiterqualifikation. Sie erhalten in den kommenden fünf Monaten - mit der Option auf Verlängerung - Transferkurzarbeitergeld. Sie müssen nach Worten des Betriebsrats der Warnemünder Werft, Harald Ruschel, dabei Lohneinbußen von bis zu 30 Prozent hinnehmen. Eine Gruppe von 56 Beschäftigten in den Sparten IT, Personal, Finanzen und in der Projektbetreuung bleibt noch auf den Werften.

Der Geschäftsführer der "Transfergesellschaft Küste in Mecklenburg und Vorpommern", Oliver Fieber, sagte, die Gesellschaften seien Instrumente, die Investorensuche zu befördern. Deshalb werde die Qualifizierung sehr flexibel gehalten. Am Freitag hatten in Wismar noch rund 1 500 Werftarbeiter für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Betriebsratschefin Ines Scheel sprach von "einem der schwärzesten Tage für Wismar".

Für die zuletzt in russischem Besitz befindlichen Werften war Anfang Juni trotz staatlich verbürgter Kredite in dreistelliger Millionenhöhe Insolvenz beantragt worden. Nachdem alle Versuche scheiterten, vorhandene Aufträge zu sichern und neue Investoren zu finden, hatte Insolvenzverwalter Odebrecht auf der Grundlage seines Gutachtens die Eröffnung des Insolvenzverfahrens empfohlen. Er äußerte sich "vorsichtig optimistisch", für beide Standorte einen Investor zu finden.

Der IG-Metall-Bevollmächtigte Thomas Rickers sagte der dpa: "Das ist eine mutige Äußerung, die mich optimistisch stimmt." Für einen Investor stelle sich nun die Frage, was die Werft wert ist und welche Bedingungen an den Kauf geknüpft sind. "Wir werden sehr genau darauf achten, dass ein Investor von vornherein seinen sozialen Verpflichtungen gerecht wird", betonte der Gewerkschafter.

Details zum Vermögen des Unternehmens nannte Gerichtsdirektor Winterstein nicht. Neben den fertigen und im Bau befindlichen Schiffen gehörten dazu auch die Betriebsgelände sowie Beteiligungen an anderen Firmen. Betriebsrat Ruschel hatte jüngst von Schiffswerten in Höhe von rund 200 Mio. Euro auf jeder der beiden Schwesternwerften gesprochen. Dies entspreche den in früheren Verträgen festgehaltenen Auftragswerten. Dass im laufenden Insolvenzverfahren und in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise mit vielen leeren Containerschiffen solche Summen zu erlösen sind, gilt aber nicht als realistisch.

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