Rettunspaket ist noch nicht geschnürt
Letzte Chance für Alstom

Die Retter des hoch verschuldeten französischen Industriekonzerns Alstom müssen sich beeilen. Bis Montag haben die Regierung und 32 Gläubigerbanken Zeit, 110 000 Arbeitsplätze zu retten.

HB PARIS. Die EU-Kommission hat der Regierung in Paris und den Gläubigerbanken bis Montag um Mitternacht Zeit gegeben, ein Konzept für den Fortbestand des Konzerns mit seinen 110 000 Arbeitsplätzen zu finden. Die Kommission hat aber einer zunächst geplanten direkten Staatsbeteiligung eine Absage erteilt.

Die 32 Gläubigerbanken müssen nun bis Montag (15.00 Uhr) über einen neuen Rettungsvorschlag entscheiden, der unter anderem von drei französischen Großbanken mitgetragen wird. „Die Stimmung ist gut“, sagte Marco Bonifazi von der Banco di Roma im Fernsehen nach einem Treffen von Gläubigerbanken in Paris, das am Samstagabend endete. Die Ergebnisse sollten noch am Sonntag den Führungsgremien der Banken vorgelegt werden. Aus verhandlungsnahen Kreisen verlautete indes, das Rettungspaket sei noch nicht geschnürt.

„Die Verhandlungen laufen noch. Die Frage, die noch verhandelt wird, ist das Thema der Anleihen, die in Aktien umgewandelt werden sollen“, hieß es weiter. Bonifazi bestätigte unterdessen die zuvor bereits in der Presse bekannt gewordenen Grundzüge des angestrebten Rettungspakets mit einem Volumen von 3,2 Milliarden Euro, das von der Regierung, EU-Vertretern und den drei größten französischen Bankhäusern - BNP Paribas, Societe Generale und Credit Agricole-Credit Lyonnais - besprochen worden war.

Staat und Banken sollen Wandelanleihen zeichnen

Gemäß dem neuen Plan sollen der Staat 800 Millionen Euro schultern und die Banken 2,4 Milliarden Euro. Dabei soll der Staat statt einer direkten Beteiligung eine über 20 Jahre laufende Wandelanleihe im Volumen von 300 Millionen Euro zeichnen, so dass Frankreich erst in ferner Zukunft Alstom-Aktien erwerben könnte. Der Staat soll zudem eine Tranche nachrangiger Anleihen im Volumen von 500 Milionen Euro begeben, die nach fünf beziehungsweise 15 Jahren fällig werden. Die Banken sollen sich mit einer Kapitalerhöhung in Höhe von 300 Millionen Euro sowie Wandelanleihen im Wert von 900 Millionen Euro an dem Rettungspaket beteiligen. Hinzu kommen soll ein Nachrangdarlehen der Banken für Alstom in Höhe von 1,2 Milliarden Euro.

Bankiers entscheiden über Alstoms Zukunft mit

Mit dem Votum der Gläubigerbanken steht und fällt der neue Rettungsvorschlag. Insbesondere ausländische Gläubigerbanken dürften darauf dringen, dass der französische Staat über die Wandelanleihen zum Alstom-Aktionär wird, während die EU wohl eher auf eine flexiblere Lösung setzt, die auch Barauszahlungen umfasst.

Frankreichs Finanzminister Francis Mer und EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hatten Termine am Wochenende abgesagt, um sich direkt in die Verhandlungen einschalten zu können. Ein Sprecher von Mer sagte, mit den Banken und dem Alstom-Management würde das ganze Wochenende über verhandelt. Alstom hat Schulden über fünf Milliarden Euro. Der Handel mit Alstom-Aktien bleibt am Montag ausgesetzt. Gewerkschaftsvertreter wollten sich am Nachmittag mit Repräsentanten des Finanzministeriums treffen.

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sagte der Zeitung „Le Monde“, Alstom könne immer noch dem Bankrott entkommen. „Ich glaube fest daran, dass es möglich ist, eine Insolvenz von Alstom zu vermeiden unter voller Berücksichtigung der europäischen Regeln“, sagte Prodi. Der Fehler sei gewesen, Rettungsmaßnahmen anzukündigen, die nicht mit der EU-Kommission abgestimmt gewesen seien. „Wir müssen jetzt diese letzten Tagen nutzen, um eine gemeinsame Position zu finden.“

Die EU-Kommission hatte am Mittwoch angeordnet, französische Staatshilfen für Alstom aus wettbewerbsrechtlichen Gründen auf Eis zu legen. Die ursprünglichen Pläne sahen vor, dass sich der Staat zur Hälfte an einer Kapitalerhöhung beteiligt, was ihn zum Besitzer von knapp einem Drittel der Alstom-Anteile machen sollte. Das gesamte Rettungspaket, an dem sich auch die Banken des Konzerns beteiligen wollten, sollte ein Volumen von 3,4 Milliarden Euro haben.

Die Börse Euronext teilte mit, der Handel mit Alstom-Aktien bleibe am Montag weiter ausgesetzt. Die Aktien hatten am 17. September mit 2,79 Euro geschlossen.

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