Reutersberg
„In Europa haben wir eine Überversorgung“

Ergas soll im deutschen Energiemix wegen seiner Klimaeffizienz eine größere Rolle spielen. Im Handelsblatt-Interview spricht Bernhard Reutersberg, Vorstandschef von Eon Ruhrgas, über die wichtigsten Märkte, Europas Energiebedarf und die internationale Strategie seines Unternehmens.

Handelsblatt: Trotz der Wirtschaftskrise wird der Energiebedarf bald wieder wachsen. Welche Rolle wird Gas dabei spielen?

Reutersberg: Erdgas wird eine Schlüsselposition beim Übergang auf eine CO2-ärmere Energieversorgung und einen nachhaltigen Energiemix einnehmen. Insgesamt sehen wir mittel- und langfristig gute Chancen für ein Mengenwachstum - auch in Europa. Denn Erdgas kann einen wertvollen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Dafür muss die Politik jetzt die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Allerdings wird aufgrund der verbesserten Energieeffizienz das Wachstum nicht mehr so deutlich ausfallen wie in der Vergangenheit.

In welchen Regionen wächst der Bedarf besonders stark?

Mittel- bis langfristig rechnen wir mit einer steigenden Gasnachfrage in Europa. Einen großen Bedarf sehen wir in Indien, China und anderen asiatischen Staaten sowie der Golfregion.

Derzeit ist der Markt insbesondere in Europa aber schwierig.

Die europäische Gaswirtschaft muss zurzeit nach Jahren mehr oder minder stetigen Wachstums einen Verbrauchsrückgang in bisher nicht gekanntem Maße verkraften. Das liegt vor allem am krisenbedingten Einbruch der Industrieproduktion. Wir müssen im laufenden Jahr mit einem merklichen Rückgang des Erdgasverbrauchs in Europa rechnen. Für das nächste Jahr rechnen wir mit einer Stabilisierung des Erdgasverbrauchs, bei schneller Konjunkturerholung mit einem leichten Anstieg. Alles in allem haben wir derzeit eine Überversorgung. Ich rechne allerdings damit, dass dieser Zustand nicht dauerhaft anhalten wird.

Wie schnell und wie stark wird der Handel mit verflüssigtem Erdgas (LNG) den Markt verändern?

Der Markt hat sich bereits verändert. Die Preise für LNG liegen zurzeit deutlich unter denen für Pipelinegas. In ganz Europa sind LNG-Terminals in Betrieb oder in Planung. Eon Ruhrgas ist vielerorts beteiligt. Die EU geht davon aus, dass der heutige LNG-Anteil von zehn Prozent am Erdgasaufkommen bis zum Jahr 2020 auf etwa 25 Prozent steigen wird. LNG wird also in Zukunft eine zunehmend wichtige Rolle bei der Versorgung Europas mit Erdgas spielen.

Muss sich auch ein Unternehmen wie Eon Ruhrgas mehr am Weltmarkt orientieren?

Der Gasmarkt befindet sich auf dem Weg zu einem globalen Markt, und wir müssen dieser Entwicklung folgen. Deshalb sind wir bereits heute über die Grenzen Europas hinaus aktiv. Der Aufbau der eigenen Gasproduktion und Projekte zum Bezug von LNG unter anderem in Nord- und Westafrika sowie im Nahen Osten sind daher wichtige Schritte für uns in Richtung einer weltweiten Beschaffung. Beim Absatz werden die europäischen Märkte weiterhin Schwerpunkt unseres Geschäfts sein.

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