Rexroth
Bosch-Gruppe erobert Industriegeschäft

Dem weltgrößten Autozulieferer Bosch gelingt die Integration der ehemaligen Mannesmann-Tochter Rexroth. Der Antriebsspezialist wächst sogar schneller als der Konzern.

LOHR. Der finanzstarke Bosch-Konzern versucht immer häufiger, durch Übernahmen neue und ergänzende Geschäftsfelder zu erschließen. Vornehmliches Ziel ist, vom Autogeschäft, das zwei Drittel des Konzernumsatzes von 41,4 Mrd. Euro ausmacht, unabhängiger zu werden. Mit dem am Mittwoch abgeschlossenen Kauf des amerikanischen Audio-Technik-Spezialisten Telex mit 300 Mill. Dollar Umsatz wird etwa der bisher recht kleine Bereich Sicherheitssysteme ausgebaut.

Das wesentlich größere Beispiel Rexroth zeigt, wie der weltgrößter Automobilzulieferer ein übernommenes Unternehmen integriert und langfristig das Geschäftsfeld Industrietechnik immer weiter ausbaut. „Wir sind auch in diesem Jahr gut unterwegs“, sagt Manfred Grundke, seit 2004 Vorstandschef von Bosch Rexroth im fränkischen Lohr am Main. Allein im ersten Quartal 2006 sei das Unternehmen wieder um mehr als zehn Prozent gewachsen, und damit schneller als der Bosch-Konzern.

Der weltweit aufgestellte Antriebs- und Steuerungsspezialist wurde vor fünf Jahren bei der Zerschlagung des Mannesmann-Konzerns von den Stuttgartern übernommen. Rexroth mit damals rund drei Mrd. Euro Umsatz wurde mit der bestehenden Industrietechnik von Bosch mit 800 Mill. Euro Umsatz zusammengelegt. Rexroth stellt heute unter anderem Hydraulik, elektrische Antriebe- und Steuerungen, Pneumatik sowie Linear- und Montagetechnik her. „Wir liefern unseren Kunden nicht nur Komponenten, sondern Komplettlösungen“, betont Grundke. Das gelingt immer häufiger, sei es wie bei Großaufträgen für Bühnentechnik beim Bolschoi-Theater und zuletzt beim neuen Opernhaus in Oslo oder bei großen Staudamm- und Schleusenprojekten.

Während die Automobilsparte praktisch nur ein Dutzend Autokonzerne als Kunden hat, kommt Rexroth locker auf 30 000 Kunden, vor allem aus dem mittelständischen Maschinenbau. Das Geschäft erweist sich derzeit als sehr stabil und profitiert zudem von der recht guten Branchenkonjunktur im Maschinenbau. „Die Rendite ist zufrieden stellend“, betont Grundke und liege über dem Konzernwert von knapp acht Prozent.

2005 hat die Sparte mit gut 28 000 Beschäftigten 4,6 Mrd. Euro umgesetzt – ein Plus von 13 Prozent zum Vorjahr. Auf Rexroth entfällt der Löwenanteil der Boschsparte Industrietechnik, die 2005 bei 5,2 Mrd. Euro Umsatz ein operatives Ergebnis von 358 Mill. Euro erzielt hat. „Ohne Bosch wären wir nie so stark gewachsen“, versichert Grundke, der seine Karriere bei Mannesmann begann. Vor allem bei Projekten zur Verbrauchsreduzierung arbeitet Rexroth mit Bosch zusammen. So wird die sparsame Kfz-Dieseltechnik von Bosch bei Rexroths Dieselhydraulik adaptiert. Viele der Rexroth-Aggregate werden auch in Baumaschinen eingebaut. Grundke sieht hier künftig weitere Synergien mit anderen Bosch-Bereichen bei Lenksensoren, ABS-Sensoren und Laserentfernungsmessung.

Vor fünf Jahren verzichtete Bosch auf eine Umbenennung, da Rexroth als Markenname im Industriegeschäft weltweit bekannter war als Bosch. In Lohr hat der größte Arbeitgeber am Platz seine alte Identität behalten. Die Integration von Rexroth verlief eher an der langen Leine. „Bosch schaut dafür bei den Zahlen genau hin“, sagt Grundke. Aber Bosch könne ja dabei insgesamt nicht so viel falsch gemacht haben, sagt Grundke auch.

Im Gegensatz dazu ist es den anderen ehemaligen Mannesmann-Gesellschaften, die bei Siemens landeten, schlechter ergangen. Außer der Autotechnik von VDO wurden die gleichzeitig übernommenen Maschinen- und Anlagenbauer bei den Münchenern eher lieblos behandelt und meist an Finanzinvestoren abgegeben. „Rexroth hat bei der Zerschlagung von Mannesmann das deutlich längere Hölzchen gezogen“, bestätigt ein Experte aus dem Branchenverband VDMA. Die Zeichen stehen auf Expansion, vor allem in Asien und Nord-Amerika. Wie der gesamte Konzern sondiert auch Rexroth den Markt nach passenden Zukäufen. „Bei Pneumatik und Elektronik können wir noch Ergänzungen brauchen“, sagt Grundke. Es dürfte kaum dabei bleiben, dass Rexroth wie bisher fast nur aus eigener Kraft wächst.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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