Rezession
Firmen sind fit für die Krise

Die Krise weckt bei vielen Managern Erinnerungen an das Jahr 2001. Doch viele deutsche Großunternehmen gehen diesmal besser gerüstet in die Krise. Wie stark die Konzerne von der Krise getroffen werden, hängt letztlich vom Produkt und der Branche ab.

DÜSSELDORF. Pralle Umsätze und magere Gewinne waren jahrzehntelang das Markenzeichen deutscher Großunternehmen. Mini-Umsatzrenditen von zwei Prozent ließen selbst etablierten Industriefirmen wie dem Lkw-Bauer MAN und dem Reifenspezialisten Continental zu wenig Luft, um Durststrecken gut zu überbrücken. Die Folge: Viele Firmen rutschten im vergleichsweise kleinen Abschwung 2001 in die Verlustzone. Um mehr als die Hälfte brachen damals die Nettogewinne bei den Dax-30-Konzernen ein.

Solch einen jähen Absturz wollten Deutschlands börsennotierte Konzerne nicht noch einmal erleben. Vor allem aktive Großinvestoren nicht, deren Zahl in Deutschland immer größer wurde. Sie schafften es, dass sich selbst schwerfällige Tanker wie Siemens zu modernen und globalen Konzernen entwickelten. Ihre Renditen ließen sich künftig mit denen der Branchenbesten der Welt messen.

Fortan galt die Devise: Weil die Unternehmen sich verschlanken, ihre Verwaltungsstrukturen sowie die Produktion modernisieren und die Produktionsstandorte in Niedriglohnländer verlegen, wo überdies noch die Märkte boomen, erscheinen Einbrüche wie noch 2001 in künftigen Krisen ausgeschlossen.

Doch weit gefehlt! Bereits 2008 sanken die Nettogewinne bei den Dax-30-Konzernen um rund 40 Prozent. Die genaue Zahl werden die Jahresbilanzen noch bringen. Die Deutsche Bank schreibt erstmals in der Nachkriegsgeschichte einen Jahresverlust. Den Automobilkonzernen droht 2009 - die Gewinne dürften rasant weiter fallen - dasselbe Schicksal. Daimler-Chef Dieter Zetsche geht davon aus, dass die Geschäfte noch einmal schlechter werden, ehe es wieder aufwärtsgeht. Eine Prognose in Zahlen wagt er aber nicht. BMW spricht von der größten Krise, die "wir bisher kannten".

Selbst BASF, Musterbeispiel dafür, wie ein Weltkonzern trotz boomender Aufträge und Umsätze in den vergangenen Jahren mit immer weniger Arbeitskräften auskam, sieht im Rückspiegel eine Lage wie in der Krise von 2001 plötzlich gefährlich nahe kommen. Kurzarbeit und vorübergehende Werksstilllegungen sind genau das, was Konzernchef Jürgen Hambrecht dank moderner Produktions- und flexiblerer Arbeitsabläufe in künftigen Krisen nicht mehr erleben wollte - und nun gerade verkünden musste. Ebenso wie viele andere Industriekonzerne war der weltgrößte Chemiehersteller lange Zeit der Meinung, dass Asien und die vielen Schwellenländer die Schwächen im Amerikageschäft ausgleichen könnten. Das Gegenteil tritt gerade ein. Und weil die Chemiebranche üblicherweise ein zuverlässiger Frühindikator für die Gesamtwirtschaft ist, lässt sich erahnen, dass sich die volle Wucht der Krise, die BASF längst erfasst hat, in der übrigen Industrie erst noch entfalten wird.

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