Rezession
Rezession: Unternehmen flüchten sich in Kurzarbeit

Unternehmen quer durch alle Branchen flüchten sich wegen wegbrechender Aufträge in die Kurzarbeit. Am Wochenende wurden Pläne des Chipkonzerns Infineon und des Autozulieferers Continental bekannt, die Arbeitszeiten zu verkürzen und die Beschäftigten zum Teil von der Arbeitsagentur bezahlen zu lassen.

HB FRANKFURT. Nach einer Umfrage der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" werden in Deutschland Anfang 2009 hunderttausende Menschen kurzarbeiten. Vom kommenden Jahr an will die Bundesregierung die Bezugsdauer für Kurzarbeitergeld auf bis zu 18 Monate erhöhen. Bisher ist es in der Regel auf sechs Monate begrenzt.

Vor allem die Autohersteller drosseln derzeit die Produktion drastisch, weil in ganz Westeuropa und in Nordamerika deutlich weniger Autos gekauft werden. Daimler prüft Kurzarbeit für mehrere zehntausend Beschäftigte in vier Werken von Januar bis April 2009. Der Lastwagen-Hersteller MAN will wohl noch im Dezember Kurzarbeit für seine drei Werke in München, Nürnberg und Salzgitter beantragen. Das zieht auch Zulieferer wie den nordbayerischen Achsen-Hersteller SAF-Holland in Mitleidenschaft, der ab Montag für sechs Monate Kurzarbeit einführt.

Kurzarbeit ist für die meisten Konzerne der zweite Schritt zur Bewältigung der Flaute. Zunächst hatten sie Produktionspausen eingelegt, um Überstunden abzubauen, oder sich von Leiharbeitern getrennt. Auch Continental reagiert auf die gekürzten Produktionspläne nun mit Kurzarbeit. Das gelte für einige Standorte von wenigen Tagen bis hin zu einigen Wochen, sagte ein Sprecher in Hannover. Die bisherigen Maßnahmen reichten nicht aus.

Auch beim neuen Continental-Großaktionär Schaeffler drohen einschneidendere Schritte. "In den vergangenen beiden Monaten sind die Abrufe der Hersteller bei den Zulieferern abrupt eingebrochen. Bei uns um 20 Prozent", sagte der Geschäftsführer des fränkischen Wälzlager-Spezialisten, Jürgen Geißinger, der "Süddeutschen Zeitung". "Das wird sich sicher bis ins nächste Jahr ziehen." Betriebsratschef Thomas Mölkner sagte der Zeitung "Die Welt" (Montagausgabe): "Spätestens ab Februar brauchen wir zumindest in Teilbereichen Kurzarbeit." Die 4000 Leiharbeiter sind dem Bericht zufolge bereits weitgehend freigesetzt worden.

Unter der Autokrise leidet auch Infineon. Das Unternehmen, das auch Steuerchips für die Autoelektronik baut, will deutlich mehr als die bisher angepeilten 200 Mio. Euro sparen. Mit Hilfe von Kurzarbeit, über die mit dem Betriebsrat verhandelt werde, soll ein weiterer Arbeitsplatzabbau vermieden werden. Infineon hatte bereits im Sommer angekündigt, weltweit 3000 von 30 000 Stellen zu streichen, in Deutschland ist sogar jeder fünfte Arbeitsplatz betroffen.

Selbst der weltgrößte Chemiekonzern BASF schließt die teilweise staatlich finanzierte Arbeitszeitverkürzung nicht mehr aus. 80 Anlagen werden vorübergehend stillgelegt. Nach den Regularien erhalten die Beschäftigten bei Kurzarbeit rund zwei Drittel des ausfallenden Lohns von der Arbeitsagentur. Als erste Branche hatten die Druckmaschinenbauer Kurzarbeit angemeldet, der Weltmarktführer Heidelberger Druck für die gesamte Produktion in Deutschland, der kleinere Würzburger Rivale Koenig & Bauer weitet sie ab Januar auf drei weitere Werke aus.

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