Rheumamittel Humira
Das wertvollste Medikament der Welt

Forscher der BASF hatten den Wirkstoff entwickelt, der US-Konzern Abbvie machte ihn zum erfolgreichsten Produkt der Pharmabranche. 2016 erzielte das Rheumamittel Humira erstmals Erlöse von mehr als 16 Milliarden Dollar.
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FrankfurtDie Erfindung aus den Labors der BASF hält den amerikanischen Pharmakonzern Abbvie damit weiter auf solidem Wachstumskurs halten. Dank Humira konnte Abbvie im vergangenen Jahr den Umsatz um 13 Prozent auf 25,6 Milliarden Dollar steigern. Der Nettogewinn verbesserte sich um rund 16 Prozent auf knapp sechs Milliarden Dollar, wie der US-Konzern jetzt bekannt gab.

Abbvie dürfte damit der einzige Pharmagroßkonzern sein, der im vergangenen Jahr organisch noch zweistellig gewachsen ist. Die meisten Konkurrenten unter den etablierten Pharmariesen verbuchen allenfalls leichtes Wachstum oder – wie etwa Novartis und Astra-Zeneca – sogar Umsatzrückgänge. Zum Gesamtumsatz von Abbvie steuerte Humira dabei 16,1 Milliarden Dollar bei, ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Rheumamittel liefert damit 63 Prozent der Konzernerlöse. Der Anteil ist in den letzten zwei Jahren sogar noch leicht gestiegen, obwohl Abbvie bereits intensiv versucht, die Abhängigkeit von dem Bestseller durch Akquisitionen zu mindern. So hatte der Konzern unter anderem 2015 den Krebsspezialisten Pharmacyclics für rund 20 Milliarden Dollar übernommen. Die Umsätze mit dessen Krebsmittel Imbruvica legten zwar deutlich zu, blieben aber hinter den Erwartungen vieler Analysten zurück, ebenso wie die Hepatitismittel von Abbvie, während Humira einmal mehr positiv überraschte.

Abbvie ist vor vier Jahren durch Ausgliederung aus dem Gesundheitskonzern Abbott Laboratories entstanden, der Anfang des letzten Jahrzehnts die BASF-Pharmasparte samt dem damals in der Endphase der klinischen Entwicklung befindlichen Humira übernommen hatte. Das Medikament gehört zu den so genannten TNF-Blockern, einer speziellen Klasse von Arzneistoffen, die relativ kompliziert sind und daher biotechnisch hergestellt werden müssen. Sie wirken gegen Autoimmun-Krankheiten wie Rheuma, indem sie den Botenstoff TNF neutralisieren und dadurch die Aktivität von Immunzellen gegen körpereigenes Gewebe reduzieren. Neben Humira sind derzeit noch vier weitere Mittel dieser Kategorie auf dem Markt. Diese werden von Pfizer, Johnson & Johnson, Amgen und UCB vertrieben.

Die spannende Frage lautet nun: Wie lange kann der Siegeszug von Humira noch weitergehen? Unter Analysten regt sich in dieser Hinsicht zusehends Skepsis. Die TNF-Blocker, so eine Befürchtung, könnten auf dem wichtigen US-Markt unter ähnlichen Preisdruck geraten wie etwa Diabetes- oder Asthmamittel, zumal bei den Konkurrenzprodukten Remicade (J&J) und Enbrel (Amgen, Pfizer) inzwischen die Patente abgelaufen sind.

Auch für Humira steht die Generika-Konkurrenz bereits in den Startlöchern. In Europa läuft der Patentschutz im kommenden Jahr aus, während in den USA um die Frage der Patentlaufzeit noch vor den Gerichten gestritten wird. Firmen wie Novartis, Amgen, Boehringer und einige andere arbeiten längst intensiv an Kopien von Humira, so genannten Biosimilars. Im September erhielt Amgen sogar bereits die erste Zulassung für ein solches Biosimilar zu Humira in den USA. Ein Verkauf des Produkts wird dort allerdings noch durch den Patentschutz blockiert.

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