RHJ-Chef
Opel-Bieter RHJ: „Das Rennen ist offen“

Im Bieterwettbewerb um Opel gibt der Finanzinvestor RHJ International trotz aller Widerstände in Deutschland nicht auf. Im Handelsblatt-Interview spricht RHJ-Chef Leonhard Fischer über seine Pläne für den angschlagenen Autobauer Opel - und über die Widerstände der deutschen Politik.

Herr Fischer, wie fühlt man sich als Staatsfeind Nr. 1?

(Lacht) Ich fühle mich überhaupt nicht in der Rolle des Staatsfeinds, ich sehe mich durch und durch als Patriot.

Einige Politiker, vor allem die Ministerpräsidenten mit Opel-Standorten, sehen das offenbar anders, sie wollen keinen Finanzinvestor als neuen Eigentümer beim angeschlagenen deutschen Autokonzern.

Ich empfinde den Widerstand der Politik erst einmal als ziemlich rational. Es ist doch ganz legitim, dass der Staat bei dem laufenden Bieterwettstreit um Opel versucht, die besten Konditionen für sich herauszuholen. Schließlich geht es um mehrere Milliarden Euro an staatlicher Unterstützung, die einem der Opel-Investoren gewährt werden sollen. Dass es in einem solchen Prozes kritische Töne und Appelle aus der Politik gibt, sehe ich deshalb ausgesprochen gelassen und sportlich. Solche Angriffe spornen mich eher zusätzlich an, unser Angebot für Opel weiter zu optimieren, damit wir am Ende den Zuschlag bekommen.

Dennoch bleibt die permanente öffentliche Einmischung der Politik nicht ohne Konsequenzen für die laufenden Verhandlungen?

Das stimmt. Vorfestlegungen für einen bestimmten Investor erschweren die ohnehin schon komplizierten Verkaufsverhandlungen erheblich. Es kann nicht im Interesse der Politik sein, den Wettbewerb aus diesem Investorenprozeß zu verbannen. Und erst recht nicht im Interesse des Steuerzahlers, der dafür notfalls geradesteht. Wie soll es ohne Wettbewerb zu einer sinnvollen Lösung für Opel kommen? Persönlich wäre es mir zwar lieber, wenn es diese öffentlichen Interventionen der Politik nicht geben würde, aber ich akzeptiere den Wunsch des Staates, den Wettbewerb unter den Opel-Investoren möglichst hoch zu halten. Das gehört zur Sozialen Marktwirtschaft. Ich hoffe nur, dass sich am Ende niemand auf eine Position begibt, die nichts mehr mit einer sachlichen Entscheidungsfindung zu tun hat.

Sind die Karten nicht dennoch ungleich verteilt, weil Bund und Länder den Autozulieferer Magna als ihren Favoriten ausgerufen haben?

Das Rennen um Opel ist völlig offen. Es ist richtig, dass es seit einigen Monaten eine Präferenz der Bundesregierung und der Länder mit Opel-Standorten für Magna gibt. Allerdings hat man sich zwischenzeitlich bewusst entschieden Angebote von drei Bietern zu prüfen, von denen heute noch zwei im Rennen sind. Deshalb gehe ich davon aus, dass am Ende derjenige Investor den Zuschlag erhält, der aus Sicht des deutschen Steuerzahlers und von General Motors das bessere Konzept vorgelegt hat.

Haben Sie angesichts des Gegenwinds von einigen Politikern mal daran gedacht, die Brocken hinzuschmeißen und Ihre Bewerbung zurückzuziehen?

Nein, das ist nicht unser Stil. Wir kapitulieren ungern auf Druck von außen. Schon gar nicht, wenn wir davon überzeugt sind, dass unser Sanierungsplan für Opel die bessere Variante ist.

Und warum sollte RHJ International den Vorzug vor Magna erhalten?

Es gibt drei entscheidende Gründe, die für uns sprechen: Wir beanspruchen deutlich weniger Geld vom Staat, unser industrielles Konzept strebt eine Stärkung von Opel auf seinen Heimatmärkten in Deutschland und Europa an und wir planen eine größere Unabhängigkeit der neuen Opel-Gesellschaft vom Mutterkonzern General Motors. Damit stellen wir Opel in kurzer Zeit wieder auf ein solides und nachhaltiges Fundament Danach kommt die Expansion ins weitere Ausland.

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