Riesenjumbo A380
Der Seuchenvogel

Erst musste die Auslieferung mehrfach verschoben werden, jetzt sorgen Haarrisse im Flügel für Ärger. Mehrere Airlines drohen damit, ihre Bestellungen zu stornieren. Die A380 ist der Problemfall des Airbus-Konzerns.
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DüsseldorfMit bloßem Auge sind sie kaum zu sehen. Und doch könnten sie für den Flugzeugbauer Airbus zum Milliardendesaster werden. Winzige Haarrisse in kleinen L-förmigen Verbindungsstücken, die in jedem Flügel des Riesenjumbos A380 verbaut sind, sorgen für immer neuen Ärger. Die Verbindungsstücke wurden aus einer leichteren Aluminiumlegierung gefertigt - um Treibstoff zu sparen, so das Kalkül der Ingenieure. Doch das Material hat sich als nicht robust genug entpuppt. Trotzdem gebe es keine erhöhte Gefahr für einen Absturz, betont Airbus. Um jedes Risiko auszuschließen, müssen die Bauteile dennoch repariert werden. Anfang des Jahres ordnete die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA an, dass die gesamte A380-Flotte überprüft werden muss.

Es ist der nächste Rückschlag in einer langen Historie von Pannen. Der Riesenjumbo ist seit Jahren der Seuchenvogel des Airbus-Konzerns. Schon die ersten Auslieferungen der A380 mussten mehrfach verschoben werden. Die Ingenieure bekamen die Verkabelung des Riesenfliegers nicht in den Griff. „Wir haben die Komplexität des Flugzeugs unterschätzt", räumte der damalige Airbus- und heutige EADS-Chef Thomas Enders ein. Aber 2010 würde der A380 erstmals einen positiven Beitrag zum Gewinn des Unternehmens leisten, so die Prognose damals.

Davon ist der Riesenflieger immer noch weit entfernt. Seit die ersten Maschinen im Einsatz sind, häufen sich die Beschwerden der Fluggesellschaften. Vor zwei Jahren bestimmten Triebwerksschäden die Schlagzeilen. Ein Riesenflieger der australischen Airlines Qantas musste in Singapur notlanden, weil das Triebwerk explodiert war. Hauptverantwortlich war der Hersteller Rolls Royce, doch das Negativimage verfolgte die A380 noch einige Monate.

Auch die Haarrisse werden den Konzern wohl noch länger beschäftigen. Airbus hat für die Reparaturen der Haarrisse 360 Millionen Euro zurückgestellt.  Bis 2013 müssen selbst neue Flugzeuge vor der Auslieferung umgebaut werden. Damit geht auch die Produktion langsamer voran. Lieferverzögerungen drohen. Ob der Zeitplan des ehemaligen EADS-Chef Louis Gallois gehalten werden kann, ist fraglich. „Ich gehe davon aus, dass Airbus es schafft, die A380 binnen fünf Jahren aus der Verlustzone zu bekommen“, sagte er dem Handelsblatt im Jahr 2010.

Die Airlines stehen vor der Wahl zwischen Pest und Cholera: Allein die Schnellreparatur der Haarrisse dauert sechs Tage. Doch dann kommen die Risse wieder. Und jedes Mal müssten die Flieger erneut aus dem Verkehr gezogen werden. Eine vollständige Reparatur dauert aber bis zu zwölf Wochen. In der Zeit können die Airlines die Flieger nicht nutzen. Jede Minute am Boden kostet Geld. Über drei Monate türmt sich ein gewaltiger Verdienstausfall an. Alternativ können die Maschinen über zwei Jahre bei regelmäßigen Checks überholt werden. Doch die Reparatur der Flügel braucht mehr Zeit als die normale Wartung. Die Maschine steht länger am Boden. Das kostet auch wieder Geld.

Kommentare zu " Riesenjumbo A380: Der Seuchenvogel"

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  • Ich gebe Transconti völlig Recht. Es ist nicht nachvollziehbar warum (wieder einmal) die positiven Aspekte nicht hervorgehoben werden. Boeing hat für ein Überarbeitetes Modell (also nicht eine komplette Neuentwicklung wie bei der A380) zumindest eine ebenso lange Verspätung verursacht. Die versprochene Performance wurde nicht erreicht und es bleibt abzuwarten ob die 747-800 jemals eine ebenso exzellente Perfomance-Rate von über 98% erreicht.
    Warum also nicht mal korrekt berichten. Das würde ich mir wünschen.
    Journalismus heißt doch voll informiert, unbefangen, ehrlich und neutral, oder?

  • Wieder so ein von Boeing finanzierter Artikel. Über positives wird nichts gesagt. Z.B., vor ca. eine Woche hat Tim Clark, der Chef von Emirates, hat folgendes gesagt:
    We have to handle (the wing crack problem) it, because we have no choice,” said Clark. “It [the A380] is a hugely successful airplane for us.” Quelle ATW.

  • Wieder so ein von Boeing finanzierter Artikel. Über positives wird nichts gesagt. Z.B., vor ca. eine Woche hat Tim Clark, der Chef von Emirates, hat folgendes gesagt:
    We have to handle (the wing crack problem) it, because we have no choice,” said Clark. “It [the A380] is a hugely successful airplane for us.” Quelle ATW.

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