Riesige Klagelawine
Vioxx-Rückruf führt bei Merck zu Ergebniseinbruch

Der Rückruf des Arthritis- und Schmerzmedikaments Vioxx kommt Merck & Co. teuer zu stehen. Im dritten Quartal 2004 belastete die Rückrufaktion das Ergebnis des US-Pharmariesen mit 552,6 Millionen Dollar.

HB WHITEHOUSE STATION. Angesichts einer riesigen Klagelawine von Patienten und Aktionäre und des Milliarden-Umsatzausfalls ist mit weiteren massiven Belastungen zu rechnen. Merck verdiente im dritten Quartal nur noch 1,3 Milliarden Dollar im Vergleich zu 1,9 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Der Gewinn pro Aktie fiel auf 60 Cent von 82 Cent im Vorjahr. Die spektakuläre Rückrufaktion habe den Gewinn je Aktie um 25 Cent gedrückt, hieß es. Der Quartalsumsatz fiel um vier Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar. Der Umsatzrückgang wird sich erst im Schlussquartal und im kommenden Jahr voll zeigen, da der Rückruf am Ende des dritten Quartals erfolgt war.

Der Neunmonatsumsatz erhöhte sich noch um zwei Prozent auf 17,2 Milliarden Dollar. Merck verdiente von Januar bis September 4,7 (5,4) Milliarden Dollar oder 2,11 (2,41) Dollar je Aktie. „Der freiwillige Rückruf von Vioxx mit 2,5 Milliarden Dollar Umsatz im vergangenen Jahr stellt für uns einen erheblichen Verlust dar“, betonte Merck-Konzernchef Raymond V. Gilmartin.

Merck hat im Rahmen eines vor einem Jahr angekündigten Kostensenkungsprogramms inzwischen rund 4500 Mitarbeiter nach Hause geschickt. Die im Vioxx-Bereich arbeitenden Mitarbeiter sollen in anderen Unternehmenssparten untergebracht werden. Merck rechnet für das Schlussquartal 2004 nur noch mit einem Gewinn von 48 bis 53 Cent je Aktie. Darin sind die Auswirkungen der Umsatzeinbußen von 700 bis 750 Millionen Dollar durch den Vioxx- Ausfall berücksichtigt. Das Unternehmen geht für das Gesamtjahr nur noch von einem Gewinn von 2,59 bis 2,64 Dollar je Aktie aus, wobei sich der Vioxx-Rückzug mit 50 bis 55 Cent auswirken dürfte. Merck hatte Vioxx vom Markt genommen, nachdem eine Langzeitstudie gezeigt hatte, dass das Medikament nach 18 Monaten Einnahme ein erhöhtes Risiko von Herzattacken und Schlaganfällen verursache. In den USA hatten seit der Einführung des Medikaments 20 Millionen Patienten Vioxx eingenommen. Für das Ausland hatte Merck keine Vioxx- Patientenzahlen parat.

Merck bezifferte die Zahl der bisherigen Patientenklagen in den USA auf rund 300. Sie seien von rund 900 Patientengruppen eingereicht worden. Sie behaupten, durch die Vioxx-Einnahme Gesundheitsschäden erlitten zu haben. Außerdem hatten Merck-Aktionäre mehrere Sammelklagen eingereicht, in denen dem Unternehmen falsche und irreführende Aussagen zu Vioxx vorgeworfen wurden. Merck wurde auch in mehreren europäischen Ländern, Kanada, Brasilien und Israel verklagt.

Merck bezifferte die Produkthaftungs-Versicherungshöhe für Vioxx auf rund 630 Millionen Dollar. Das Unternehmen habe auch eine zusätzliche Versicherung im Hinblick auf Aktionärsklagen. Die ersten Vioxx-Klagen könnten in der ersten Hälfte 2005 zur Verhandlung kommen. Merck konnte keine Angaben über möglichen Verluste im Hinblick auf die Klagen machen. Das Unternehmen habe im Bezug auf die Vioxx-Klagen noch keine Rückstellungen vorgenommen.

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