Rigides Kostendenken bei den Autokonzernen gefährdet die Struktur der Branche
Preisdruck zwingt Autozulieferer in engere Kooperationen

Der wachsende Preisdruck der Automobilhersteller, der Kostendruck vor allem beim Rohstoff Stahl und die flaue Branchenkonjunktur machen den Lieferanten der deutschen Automobil-Industrie zu schaffen.

hof/hz/wb STUTTGART. „Es vergeht kaum eine Woche, in der wir uns nicht um eine Insolvenz bei mittelständischen Zulieferern kümmern müssen“, berichtet Porsche-Finanzvorstand Holger Härter beim Handelsblatt-Gespräch über die Zulieferindustrie in Stuttgart. „Ich sehe die große Gefahr, dass hier ein dauerhafter Schaden entsteht.“

Beschleunigt wird diese Entwicklung durch das Verhalten einzelner Autohersteller. Zwar müsse auch ein Hersteller wie Porsche jährliche Rationalisierungseffekte um die sechs Prozent erbringen, zu denen die Lieferanten einen Teil beitragen müssten. Doch: „Es ist der komplett falsche Weg, vom Zulieferer rückwirkend Abschläge zu verlangen“, kritisiert der Porsche-Finanzvorstand. Das zerstöre jede Planungssicherheit und bringe manches mittelständische Unternehmen in Existenznöte. „Damit setzt sich die Konzentration in der Branche fort, was letzten Endes zu weniger Wettbewerb führt“, befürchtet Härter. Das werde die deutschen Autohersteller immer öfter zwingen, ihren Zulieferern unter die Arme zu greifen. „Ich glaube, dass die Hersteller sich in Zukunft an wichtigen Zulieferern noch häufiger finanziell beteiligen werden, um deren Existenz zu sichern“, prophezeit Härter. „Passiert das nicht, werden beide mittelfristig zu den Verlierern dieser Entwicklung gehören.“

Beispiele solcher Hilfe gibt es schon. Bereits vor zwei Jahren hatten mehrere Autohersteller wie Porsche, VW, Daimler und BMW den Zulieferer Peguform mit einem Darlehen von mehr als 100 Mill. Euro vor dem Aus gerettet. Der Kunststoffverarbeiter, der – von einem US-Investor ausgeplündert – 2002 Insolvenz angemeldet hatte, wurde damit über Wasser gehalten und steht jetzt vor dem Verkauf.

Dennoch: Experten sagen eine weitere Konsolidierungswelle in der weitgehend mittelständisch geprägte Zuliefererindustrie voraus. Dabei sind die Preise nur ein Aspekt der Probleme, denen die Zulieferer gegenüber stehen: „Die Systemlieferanten haben viele Aufgaben von den Herstellern übernommen, aber auch viel Risiko“, erläutert Günter Baumann, geschäftsführender Gesellschafter des Zulieferers Eberspächer.

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