Ringen um eine neue Finanzierung
Merckle und die Banken auf der Zielgeraden

Im Ringen um eine neue Finanzierung für die angeschlagene Merckle-Gruppe nähern sich das Ulmer Unternehmen und seine mehr als 30 Gläubigerbanken offenbar einer Einigung. Nach Informationen aus Finanzkreisen hat Merckle den jüngsten Vorschlag der Banken und deren Forderungen weitgehend akzeptiert.

FRANKFURT. Auch die Merckle-Holding VEM Vermögensverwaltung äußerte sich gestern zuversichtlich. "Das Ziel ist, noch vor Weihnachten den notwendigen Überbrückungskredit zu erhalten", erklärte VEM-Geschäftsführer Ludwig Merckle in einer Mitteilung gestern Abend. Das Angebot der Banken bilde eine gute Grundlage für die weiteren Verhandlungen.

Informationen aus dem Bankenlager zufolge, sind aber noch eine Reihe von Detailfragen zu klären. Offen ist demnach bisher auch noch, welche Banken im Falle einer Einigung zusätzliche Liquidität für die Merckle-Firmen bereitstellen. Die wichtigen operativen Einheiten der Gruppe, das heißt insbesondere der Pharmahersteller Ratiopharm und der Pharmagroßhändler Phoenix benötigen nach Angaben aus Bankenkreisen zufolge neue Kreditlinien von etwa einer halben Mrd. Euro - vor allem offenbar, weil Merckle liquide Mittel dieser Einheiten zur Finanzierung seiner sonstigen Beteiligungsengagements eingesetzt hat.

Insgesamt geht es bei Merckle um die Refinanzierung von etwa fünf Mrd. Euro Finanzschulden, die vor allem aus dem Kauf einer Mehrheitsbeteiligung von knapp 80 Prozent an der Heidelberg Cement AG resultierten. Außerdem hatte Merckle dreistellige Verluste bei Spekulationsgeschäften zu verkraften, mit denen er in den letzten Monaten noch versuchte, die Finanzlage von VEM ins Lot zu bringen. Auslöser für die Liquiditätsprobleme der Gruppe war vor allem ein deutlicher Wertverlust bei den als Sicherheit hinterlegten Heidelcement-Anteilen. Der Baustoffkonzern ist ebenfalls hoch verschuldet und kämpft derzeit mit einer schwachen Baukonjunktur.

Die Gläubigerbanken machen einen Überbrückungskredit für Merckle von einer festen Bereitschaft der Familie zum Verkauf von Ratiopharm, der Heidelberg Cement-Anteile und möglicherweise auch von Phoenix Pharmahandel abhängig. Auf diese Bedingungen hat sich die Ulmer Unternehmerfamilie nun offenbar eingelassen. In der vergangenen Woche hatte sie noch die Idee einer Insolvenz der VEM ins Spiel gebracht und die auf Insolvenz-Verwaltung spezialisierte Kanzlei Schultze & Braun als Berater engagiert.

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