Rio Tinto
Metall-Riese mit australischem Fundament

Der britisch-australische Rohstoffkonzern Rio Tinto hat sein Portfolio rechtzeitig aufgeräumt und profitiert jetzt vom Kupfer- und Erzboom. Der solide, verlässliche Wachstumskurs ist bei den Analysten hoch angesehen.

LONDON. Understatement regiert im Hauptquartier von Rio Tinto am St. James’s Square im Londoner Westend. Gleich um die Ecke von der BP-Zentrale weist an dem ruhigen, großzügigen Platz im Londoner Westend nichts darauf hin, dass in Hausnummer 6 der zweitgrößte Rohstoffkonzern der Welt residiert. Kein Namenszug am Gebäude, nicht einmal im Foyer, über das eine einzelne resolute Empfangsdame wacht. Nur der Halbjahresbericht und der Katalog der Vogel-Sichtungen am internationalen Birdwatcher-Tag des Konzerns verraten, wer das schlichte Haus bewohnt. Solide und unauffällig, so hat es der traditionsreiche Bergbauriese gern. Rio Tinto ist nicht der laute, drängelnde Branchenzweite, sondern der stille Windschattensegler. „Wir machen weniger Fehler als die anderen“, so beschreibt Konzernchef Leigh Clifford nach kurzem Nachdenken das, was Rio Tinto von den Konkurrenten abhebt.

Zumindest korrigiert das britisch-australische Unternehmen die Fehler schneller. In den Siebziger- und Achtzigerjahren warf sich der Konzern mit Schwung in die Diversifizierung. Er nahm Öl und Gas, Chemie und Zement ins Portfolio und betätigte sich als Zulieferer der Automobilindustrie. Doch Ende der Achtziger riss er das Ruder herum, konzentrierte sich voll auf den Bergbau und stieß in den kommenden Jahren alles andere ab. „Wir haben in der Chemie doch nur herumgestümpert“, erinnert sich Clifford in seinem schlichten Büro mit Blick auf einen schmucklosen Innenhof.

Der Bergbau-Ingenieur ist seit 36 Jahren in der Firma und steht seit sechs Jahren an deren Spitze. Nun erlebt er den Konzern in der Form seines Lebens. An der Börse mehr als 70 Mrd. Dollar wert, fährt Rio Tinto Rekordgewinne ein. Die Konzentration auf das Metallgeschäft hat bewirkt, dass das Unternehmen ohne Abstriche vom gegenwärtigen Rohstoffboom profitiert. Kohle und Erz für die Stahlproduktion werden von Jahr zu Jahr zweistellig teurer, der Kupferpreis geht durch die Decke – und bei Rio Tinto klingelt die Kasse. 63 Prozent des Umsatzes und 84 Prozent der Gewinne hat der Konzern im ersten Halbjahr mit diesen Produkten gemacht. Gold, Diamanten, Aluminium und Industriemineralien kommen hinzu.

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