Angetrieben vom Rohstoffboom steht die Bergbaubranche womöglich vor ihrer bislang größten Übernahme: Weltmarktführer BHP Billiton stockte am Mittwoch sein Angebot für die Nummer zwei Rio Tinto auf. Doch Rio hält auch das neue Angebot für zu niedrig und weist das Werben zurück.
Riesenkipper im Eisenerztagebau Mount Whaleback im australischen Bundesstaat Western Australia. Die Mine gehört BHP Billiton. Foto: ap
HB SYDNEY. BHP
legte 13 Prozent drauf und bietet jetzt 147,4 Mrd. Dollar. Sollte es zu einer Übernahme in dem Volumen kommen, wäre dies die zweitgrößte Fusion in der Wirtschaftsgeschichte nach dem Kauf der deutschen Mannesmann durch Vodafone.
Es könnte aber auch zu einer Bieterschlacht kommen, denn der chinesische Staatskonzern Chinalco war zuletzt zusammen mit dem US-Aluminiumhersteller Alcoa
bei Rio eingestiegen. Experten schließen eine gemeinsame Gegenofferte nicht aus.
Bildergalerie: Die größten Übernahmen aller Zeiten
Aus einem Zusammenschluss von BHP
und Rio Tinto
würde ein Bergbaugigant entstehen, der bei einer Reihe von industriell genutzten Rohstoffen wie Eisenerz, Kohle, Kupfer oder Uran die Märkte kontrollieren könnte. Kunden wie die deutschen Stahlhersteller Thyssen
-Krupp
und Salzgitter
befürchten einen weiteren Druck auf die Preise. Daher lehnen etwa die Stahlverbände in Europa und Asien die Fusionspläne ab. China sieht seine boomende Stahlindustrie besonders betroffen.
BHP
"Dies ist unser erstes und einziges Angebot", sagte BHP
-Chef
Marius Kloppers. Später wollte er sich auf Nachfrage aber nicht dazu äußern, ob dies tatsächlich das endgültige Angebot ist. Rio erklärte zunächst, die Offerte zu prüfen. Später hieß es dann, man habe das Angebot einstimmig abgelehnt, da es nicht den Interessen der Aktionäre diene. Rio hatte sich monatelang gegen eine Übernahme durch BHP
gestemmt, zuletzt eine Fusion aber nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen.
Kloppers betonte, er gehe davon aus, dass die Offerte Unterstützung bei den Rio-Aktionären finde. Branchenexperten zeigten sich ebenfalls verhalten optimistisch: Die Offerte sollte reichen, um Rio zu Gesprächen mit BHP
zu bewegen, sagte etwa Rob Patterson von Argo Investments. Die angehobene Offerte sei aber "kein K.O.-Angebot", sagte Fondsmanager Bertie Thomson von Aberdeen Asset Management. Einige Analysten zweifelten aber auch. "Angesichts der Marktbedingungen und des Ausblicks und im Vergleich zu anderen Übernahmen wird es vermutlich so nicht hinhauen", sagte Ken West von Perennial Growth Management.
Vor allem der gemeinsame Vorstoß von Chinalco und Alcoa
könnte die BHP
-Pläne
durchkreuzen. Die britische Zeitung "Times" berichtete, der staatliche Aluminium-Hersteller aus China und sein US-Partner bereiteten eine Gegenofferte vor.

