Risiko für Konzerne ohne Ankeraktionäre
Schaeffler schreckt Dax-Vorstände auf

Bei den anderen Unterzeichnern hielt man sich dagegen bedeckt. "Kein Kommentar", lautete die Devise. Den Managern ist es unangenehm, dass der Brief an den Finanzminister bekannt wurde, bevor er überhaupt in Berlin eingetroffen ist. "Den Dialog mit der Regierung wollen die Finanzvorstände ja nicht über die Medien führen", hieß es hinter vorgehaltener Hand.

Steinbrück selbst hatte noch vor Eingang des Briefes angekündigt, die Transparenzregeln in Deutschland zu prüfen. "Die Bundesregierung nimmt die aktuellen Entwicklungen am Finanzmarkt, insbesondere im Fall des Übernahmeangebots der Schaeffler KG, zum Anlass, die geltenden Transparenzpflichten auch unter Einbeziehung der Rechtslage in anderen Staaten zu überprüfen." So lautet die Antwort auf eine Anfrage der Grünen. "Es wird aber keine Schnellschüsse geben", ergänzte eine Sprecherin des SPD-geführten Ressorts. Zuvor hatte der finanzpolitische Sprecher der Union, Otto Bernhardt, von "offensichtlichen Gesetzeslücken" gesprochen.

Die Dax-Vorstände betonen in ihrem Schreiben, dass "sie offen sind für alle in- und ausländischen Investoren". Für eine allgemeine Beschränkung der Beteiligungsmöglichkeiten einzelner Investorengruppen bestehe "kein Bedarf". Allerdings greift das Risikobegrenzungsgesetz in den Augen der Manager zu kurz, da es den heimlichen Aufbau von Beteiligungen und abgestimmtes Verhalten mehrerer Investoren nicht richtig erfasst. Um Abhilfe zu schaffen, liefern die Autoren des Schreibens konkrete Vorschläge. So soll die geltende Offenlegungspflicht ab einem Anteil von drei Prozent auch gelten, "wenn jemand allein oder gemeinsam mit anderen Aktien oder Wertpapieren eines Unternehmens direkt oder indirekt erwirbt" oder entsprechende Verabredungen trifft.

Zudem soll der Kauf von Rechten wie Aktienoptionen, mit denen innerhalb von zwei Jahren Aktien erworben werden können, unter die Offenlegungspflichten fallen. Investoren sollen verpflichtet werden, aggregierte Beteiligungspositionen offen zu legen. Für Namensaktien sollte klar gestellt werden, dass der wahre Aktionär genannt werden muss. Bislang können sich Auslandinvestoren hinter Depots verstecken.

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