Risiko für Konzerne ohne Ankeraktionäre
Schaeffler schreckt Dax-Vorstände auf

Die Conti-Transaktion hat die Manager vieler Konzerne alarmiert. Sie fürchten, dass sich Investoren unbemerkt anschleichen könnten. Nun verlangen sie mehr Transparenz bei Übernahmen - und prangern in einem Brief an Finanzminister Peer Steinbrück Lücken im Gesetz an.

DÜSSELDORF/BERLIN. Die faktische Übernahme der Dax-Konzerne Volkswagen und Continental durch Porsche und Schaeffler bringt Unruhe in die Chefetagen vieler Dax-Konzerne. Vor allem Firmen ohne Ankeraktionäre sehen das Risiko, dass sich Investoren unbemerkt über Aktientausch-Geschäfte mit Banken (Swaps) anschleichen und Einfluss gewinnen, ohne Transparenz-Regeln zu verletzten.

Nicht zuletzt die Conti-Transaktion hat Manager alarmiert. So war der Familienkonzern Schaeffler in die Kritik geraten, weil er sich über Swaps 36 Prozent der Conti-Aktien sicherte. Die Finanzaufsicht Bafin hatte keinen Verstoß gegen bestehende Gesetze festgestellt.

Wie groß die Aufregung ist, zeigt der Brief von den Finanzchefs führender Dax-Unternehmen an Finanzminister Peer Steinbrück, in dem diese die Lücken im Gesetz anprangern. Zwar wurde das Schreiben nicht von allen Dax-Finanzchefs unterschrieben, es habe "sich aber auch niemand dagegen gewandt", sagte ein mit dem Thema befasster Manager. Davon abgesehen "könnte jedes börsennotierte Unternehmen vom Anschleichen betroffen sein."

Auch Investmentbanker sehen Handlungsbedarf. "Der Gesetzgeber ist gefragt, bestehende Lücken zu schließen, um Missbrauchsmöglichkeiten zu beschränken, wie es zum Beispiel die Schweiz und Großbritannien bereits vorgemacht haben", mahnt Karl-Georg Altenburg, der Deutschland-Chef von JP Morgan.

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen: Dax-Schwergewichte wie Allianz und MAN sind bei der Initiative nicht dabei, weil sie unter anderem verschärfte Kapitalmarktregeln nicht für praktikabel halten. Selbst unter den Beteiligten heißt es teilweise, das Thema sollte "nicht zu hoch gehängt werden".

Den Anstoß zu der konzertierten Aktion soll der scheidende Conti-Chef Manfred Wennemer gegeben haben. Doch er steht mit seiner Kritik nicht alleine da. Eon-Finanzchef Marcus Schenck hatte kürzlich zum Vorgehen Schaefflers gesagt: "Es ist offenbar nicht unrechtmäßig, vom Gesetzgeber war das aber so nicht intendiert. Diese Lücke muss man füllen." Zwar sieht sich der Energiekonzern Eon selbst mit einem Marktwert von 120 Mrd. Euro recht sicher gegen einen feindlichen Angriff, offenbar will das Management aber an vorderster Front mitkämpfen, wenn es darum geht, die Kapitalmarktregeln enger zu knüpfen.

Offiziell bestätigt nur Siemens die Unterschrift unter dem Brief. "Ich hatte bereits mehrfach in der Vergangenheit die Finanz- und Wirtschaftspolitik darauf hingewiesen, dass beispielsweise die Kumulation von Equity-Instrumenten zu Transparenzverwerfungen führen kann", erklärte Finanzchef Joe Kaeser, und ergänzte: "Deshalb unterstützt Siemens die Initiative, die für mehr Klarheit bei den Anteilseignern und der Öffentlichkeit selbst sorgen soll."

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