Risiko steigt
Siemens ist der perfekte Übernahmekandidat

Zwar rechnet akut kein Branchenkenner damit, dass der Industriekoloss Siemens von einem Rivalen oder von Finanzinvestoren übernommen wird. Doch das Führungsvakuum bei den Münchenern hat diese Gefahr merklich erhöht. Lohnend wäre ein Aufkauf allemal, ließe sich das Unternehmen doch wunderbar filetieren.

jkn/scc/rob FRANKFURT. „Ich bin mir sicher, dass der eine oder andere beginnt, Szenarien durchzurechnen“, glaubt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Ein Unternehmen, das führungslos ist, ist grundsätzlich ein Übernahmeziel, da es ein geschwächter Verhandlungspartner ist.“ Allerdings sei Siemens finanziell ein dicker Brocken. Derzeit wird der Konzern an der Börse mit 80 Milliarden Euro bewertet. „Finanzinvestoren könnten sich eine Übernahme leisten, sie würden sich damit allerdings ein Klumpenrisiko in ihr Portfolio holen“, sagte Kurz.

Auffällig häufig wird in diesen Tagen der Name des US-Finanzinvestors KKR genannt. Tatsächlich gibt es diverse Brücken zwischen Siemens und KKR. Zum einen haben die Münchener bereits mehrfach Geschäfte mit dem Private-Equity-Unternehmen gemacht. So wurden Siemens-Nixdorf und die Krantochter Demag an KKR verkauft. Zum anderen war der neue Aufsichtsratschef Gerhard Cromme Berater von KKR. Zudem sind bei Siemens derzeit Mitarbeiter der Forensikabteilung von Deloitte tätig, um die Schmiergeldaffäre aufzuarbeiten. Die Beratungsfirma arbeitet aber gleichzeitig in den USA eng mit KKR zusammen.

„Siemens ist ein Paradebeispiel für Private Equity, auch wenn es ihre weltweit größte Übernahme wäre“, sagte ein M&A-Berater. So könnte das Unternehmen ohne Probleme zerschlagen werden. Ein potenzieller Verkaufskandidat wäre die IT-Dienstleistungstochter SIS. Schon der noch amtierende Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte sie zum Verkauf gestellt. Auch für die lukrative Medizinsparte soll es Interessenten geben.

Hohe Hürden

Zudem seien verschiedene Szenarien denkbar. So könnten sich mehrere Private-Equity-Firmen zusammentun. Oder es könnte ein gemeinsames Gebot von Finanzinvestoren und industriellen Interessenten geben. Allerdings gibt es Hürden. So wäre eine Übernahme des größten deutschen Traditionsunternehmens durch „Heuschrecken“ ungeachtet des Bestechungsskandals wohl immer noch ein Politikum. Zudem weisen Finanzkreise darauf hin, dass derzeit weder Cromme noch das Aufsichtsratsmitglied Josef Ackermann einen Verkauf vorantreiben könnten. „Das wäre der Todesstoß für die Reputation der deutschen Wirtschaft“, sagte ein Banker.

Deshalb werden Interessenten wohl erst einmal abwarten, wie sich die neue Führungsspitze schlagen wird. „Wenn der neue Vorstand die Ziele nicht erreicht oder gar Stillstand droht, könnte die Marktkapitalisierung sinken. Dann besteht grundsätzlich die Gefahr der Übernahme“, sagte Christoph Niesel, Fondsmanager bei Union Investment.

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