Risk-Map 2008
Wo Investieren zum Russisch Roulette wird

Staatskorruption und die Wachablösung in Russland, Enteignungen in Ecuador, Kurdenkonflikte an der türkisch-irakischen Grenze: Viele Länder weisen für Unternehmen und ihre Mitarbeiter ein hohes oder gar extremes Sicherheitsrisiko auf. Wo es besonders gefährlich wird, zeigt die aktuelle Risikostudie der britischen Sicherheitsfirma Control.

FRANKFURT. Investieren in Russland wird im kommenden Jahr zum russischen Roulette für Unternehmen, der Nationalismus der Linken in Lateinamerika bedroht ausländische Firmen mit Enteignung und die Kurdenkonflikte an der türkisch-irakischen Grenze erschüttern die Region und erschweren Geschäfte. An Terroranschläge dagegen haben sich die Unternehmen gewöhnt und die Risiken eingepreist. Das ist das Ergebnis der aktuellen Risikostudie (Risk-Map) der britischen Sicherheitsfirma Control Risks, die dem Handelsblatt vorab vorliegt.

42 der 176 untersuchten Hauptinvestionsländer weisen ein hohes oder gar extremes Sicherheitsrisiko für Unternehmen auf. Besonders gefährlich wird es für ausländische Manager im Irak in den Süd- und Ostprovinzen Afghanistans, an der afghanisch-pakistanischen Grenze, in Afrika rund um die burundische Hauptstadt Bujumbura, im Norden der Demokratischen Republik Kongo, im Westen der Elfenbeinküste, im sudanesische Dafur, in Somalia und auf Sri Lanka in den Herrschaftsgebieten der Tamil-Rebellen im Norden. Vor allem lokale Warlords, marodierende Banden und Clans, die von Entführungen leben, bedrohen dort die Firmenvertreter. Spitzenreiter bei Entführungen sind Mexico Stadt, die Grenzregion zwischen Venezuela und Kolumbien sowie Kolumbien selbst. Doch inzwischen kommen neue Gefahrengebiete hinzu: „Auch islamische Extremisten habe diese Geldquelle entdeckt“, sagt Adam Strangfeld, Leiter Research bei Control Risks. So entführen die Taliban in Afghanistan deutsche Ingenieure, irakische Clans westliche Ausländer, nigerianische Rebellen Angehörige ausländischer Ölarbeiter und Marodeure in Haiti Manager. Gefährlich wird es auch in Algerien. Das Land gilt inzwischen als „hoch“ riskant, da sich zunehmend Al-Qaida-Zellen im Maghreb formierten.

„Doch es sind vor allem wachsende politische Risiken, die den Unternehmen das Leben schwer machen werden“, prognostiziert Strangfeld. In Somalia, Simbabwe und Nord-Korea sei die Lage „extrem“. „Wer dort investieren will, braucht ein extremes Sicherheitsnetz. Dort gibt es kein funktionierendes Rechtssystem“, sagt Strangfeld. Fünfzehn Länder weisen ein hohes politisches Risiko für Investoren auf, darunter Venezuela, Ecuador und Bolivien, Burundi, die Elfenbeinküste und Weißrussland. Hier ist mit Behördenwillkür und Staatskorruption zu rechnen, Verträge werden selten eingehalten. Vor allem in Ecuador droht ausländischen Unternehmern die Enteignung. Das Land kletterte in der Einschätzung des politischen Risikos von „mittel“ auf „hoch“.

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