Ritter Sport Bittere Geschäfte mit süßer Schokolade

Obwohl es sich kein gutsortierter Supermarkt leisten kann, auf die bunten Schokoquadrate im Angebot zu verzichten, läuft das Geschäft von Ritter Sport schleppender, als es dem Unternehmen gut tut. Dabei zählt der Mittelständler zu den Ikonen der deutschen Markenindustrie.
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Die Bio-Schokoladen von Ritter Sport: Mit der Produktvariante erlebte das Unternehmen eine Enttäuschung. Quelle: Pressebild

Die Bio-Schokoladen von Ritter Sport: Mit der Produktvariante erlebte das Unternehmen eine Enttäuschung.

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WALDENBUCH. Seit langem geht der Umsatz bei Ritter Sport zurück, Gewinne fließen spärlich - oder bleiben, wie 2004 bis 2007, vollends aus.

Ende 2005 trennten sich die Unternehmenserben Alfred Ritter und Schwester Marli Hoppe-Ritter vom langjährigen Geschäftsführer Olaf Blank. Seither müht sich der Gründerenkel persönlich, das Geschäft wieder in Schwung zu bringen.

Für den Mittelständler ein Kraftakt. Mit Riesentafeln (250 Gramm) und zeitlich limitierten Geschmacksvariationen kurbelte er die Erlöse zwar an, erlebte mit seinen Bio-Schokoladen aber eine herbe Enttäuschung. Bio-Läden ließen ihn abblitzen, weil Ritter weiterhin auch herkömmliche Tafeln produziert.

Anfang 2008 probte er den Befreiungsschlag. Um 20 Prozent erhöhte Ritter die Abgabepreise - und holte sich prompt das Bundeskartellamt ins Haus. Weil damals mächtige Wettbewerber mitzogen, witterten die Wettbewerbshüter eine illegale Preisabsprache. Die Ermittlungen, heißt es in Kreisen der Kartellbehörde, stünden nun vor dem Abschluss. Läuft alles gegen Ritter, droht den Schwaben ein Bußgeld von bis zu 30 Millionen Euro. Die Firma stünde damit am Abgrund.

Dabei zählt Ritter Sport zu den Ikonen der deutschen Markenindustrie. Der Reklameslogan "Quadratisch, praktisch, gut", 1970 von der schwäbischen Werbeagentur Dewe und deren freiem Mitarbeiter Michael Grashoff erfunden, schaffte es längst in den allgemeinen deutschen Sprachgebrauch.

Das ungewöhnliche Format für die bunten 100-Gramm-Tafeln hatte Großmutter Clara schon 1932 erfunden, angeblich auf dem Fußballplatz von Waldenbuch. Weil dort die Zuschauer stets Probleme hatten, die als Nervennahrung mitgebrachten Langtafeln in ihren Sakkotaschen zu verstauen, ersann die Unternehmerin die praktische Quadratverpackung - und gab ihr den Beinamen "Sportschokolade".

Später patentierte Ritter die Idee und bewarb sie ab 1970 einprägsam im deutschen Farbfernsehen. Den Siegeszug der Schwabenschokolade beschleunigte 1976 der "Knickpack". Statt Papier und Alufolie wickelte Ritter seine Ware in Kunststofffolie, die sich nach einem Knick in der Mitte öffnet. Mit ihr schaffte das Ein-Produkt-Unternehmen in Deutschland bis heute einen Marktanteil von knapp über 17 Prozent. Nur Milka verkauft sich hierzulande noch ein wenig besser. Seit 2008 hievt die Preisanhebung das Firmenergebnis zwar wieder knapp über die Nulllinie, der Umsatz aber sinkt: Knausrige Kunden greifen zu Konkurrenzprodukten.

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