Rivalen distanziert
Warum BMW vorweg fährt

BMW kann auf der heutigen Hauptversammlung eine glänzende Bilanz präsentieren. Unter den Premiumautobauern sind die Münchener das Maß aller Dinge. Doch auch sie haben schwierige Aufgaben zu bewältigen.
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DüsseldorfBMW eilt von Rekord zu Rekord. Vorstandschef Norbert Reithofer hält sich nicht lange damit auf, dass 2011 das beste Jahr der Unternehmensgeschichte war, sondern hat bereits auf der Bilanzpressekonferenz im März selbstbewusst angekündigt: „Wir streben 2012 neue Bestmarken beim Absatz und dem Konzernergebnis vor Steuern an.“ Das bekräftigte er auf der Hauptversammlung am Mittwoch. Im vergangenen Jahr verkaufte der Münchner Konzern weltweit 1,67 Millionen Autos und erzielte damit einen Gewinn vor Steuern von 7,4 Milliarden Euro.

2013 will Reithofer Umsatz und Ergebnis nochmals steigern und pünktlich zum 100-Jahre-Jubiläum 2016 beim Absatz die Zweimillionenmarke knacken. Dabei fährt BMW den anderen Premiumautobauern schon seit Jahren davon. 2011 haben die Bayern auch ohne Mini und Rolls-Royce mit 1,38 Millionen Autos mehr abgesetzt als Daimlers Nobelmarke Mercedes-Benz (1,26 Millionen Pkw ohne Smart) und Volkswagens Tochter Audi (1,30 Millionen Fahrzeuge).

Von der Entwicklung profitieren auch die Aktionäre. Sie können sich über eine Rekorddividende freuen – wenn die Hauptversammlung heute zustimmt, wird BMW pro Anteilsschein 2,30 Euro je Stamm- und 2,32 Euro je Vorzugsaktie ausschütten. 2010 hatten sie 1,30 Euro bekommen. Gute Voraussetzung also für ein harmonisches Aktionärstreffen, auch wenn einige Redner eine noch höhere Ausschüttung forderten.

Die Rivalen allerdings wollen sich mit der BMW-Vorherrschaft nicht abfinden. Die Ingolstädter haben sich zum Ziel gesetzt, BMW bis 2015 vom Premiumthron zu stoßen und diesen dauerhaft zu verteidigen. Einen Tick profitabler waren sie im vergangenen Jahr dank ihrer Zugehörigkeit zum Branchriesen Volkswagen schon – mit einer Umsatzrendite von 12,1 Prozent im Vergleich zu 11,8 Prozent bei BMW. Und Daimler-Chef Dieter Zetsche will die Vorzeigemarke Mercedes bis 2020 wieder zum größten Premiumhersteller machen.

Doch Zetsches Ambitionen hält Arndt Ellinghorst für unrealistisch. Der Auto-Analyst von der Schweizer Großbank Credit Suisse sagt: „Im Moment sehe ich nicht, wie Daimler wieder die Nummer eins in puncto Volumen und Profitabilität werden will.“ Denn mit einer Umsatzrendite von neun Prozent war der Rückstand im vergangenen Jahr deutlich. Kurzfristig ist er noch skeptischer. „2012 wird Daimler den Rückstand nicht verringern können und 2013 möglicherweise sogar noch weiter zurückfallen.“

Ellinghorst bringt die „ziemlich traurige“ Entwicklung aus Sicht der Stuttgarter auf den Punkt: „Mercedes ist in den vergangenen zehn Jahren quasi nicht gewachsen. BMW und Audi dagegen haben Jahr für Jahr um durchschnittlich mehr als sechs Prozent zugelegt.“ In den Augen von Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, glänzt BMW mit seiner Stärke im Produktbereich, vor allem beim Kernmodell, dem 5er, und hat insgesamt keine Schwächen in der Modellpalette.

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