Roboterbauer
Kuka muss noch mehr Stellen streichen

Kuka muss immer härter kämpfen: Die Autokrise und konzerninterne Querelen bescheren dem Roboter- und Anlagenbauer im laufenden Jahr tiefrote Zahlen. Wichtige Kunden fallen weg, Aufträge bleiben aus.
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HB AUGSBURG. Mit der alten Strategie einer breiteren Aufstellung versucht der neue Vorstand, aus dem Dilemma herauszukommen. „Wir denken, dass wir einen schnellen Turnaround hinkriegen“, sagte der seit einem Monat amtierende Konzernchef Till Reuter am Montag in einer Telefonkonferenz. „2010 ist es unser eindeutiges Ziel, operativ wieder profitabel zu sein.“ Die Börsianer blieben skeptisch: Der Kurs fiel bis zum Mittag um 1 Prozent.

Die Wirtschaftskrise hat Kuka schwer zugesetzt. Vor allem die wichtigen Kunden aus der Autoindustrie brachen weg. Für zusätzliche Belastung sorgte ein monatelanger Streit zwischen dem alten Management und dem Großaktionär Grenzebach, einem mittelständischen Maschinenbauer. Dem Familienunternehmen ging der Ausbau neuer Geschäftsfelder nicht schnell genug voran. Der Grenzebach-Vertraute Reuter musste nun einräumen, dass es auch unter neuer Führung „drei bis fünf Jahre“ dauern werde, bis die Abhängigkeit von der Autoindustrie beendet sei.

Um die Einbrüche im Geschäft aufzufangen, hatte der alte Vorstand ein Sparprogramm aufgelegt, im Zuge dessen auch zwei Werke in Frankreich dicht gemacht werden. Der neue Vorstand setzt den Stellenabbau fort. „Wir setzen auf freiwilliges Ausscheiden“, sagte Finanzchef Stephan Schulak. Er hoffe, bis zum Jahresende „deutlich über 100 Mitarbeiter“ für diesen Weg zu gewinnen. „Das betrifft vor allem den Standort Augsburg.“ Im kommenden Jahr sollen noch einmal so viele Beschäftigte gehen.

Aktuell arbeiten rund 5 900 Menschen fest für Kuka. Wie viele Mitarbeiter letztlich gehen müssten, hänge vom weiteren Verlauf des Geschäfts ab, sagte Schulak. „Seit Mitte September sehen wir eine Erholung.“ Er hoffe deshalb, auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu können. Für etwas Erleichterung sorgt auch die Kurzarbeit. 300 Mitarbeiter treten derzeit kürzer, vor allem in der Roboterproduktion.

Kuka wird im laufenden Jahr laut Konzernchef Reuter aber nicht um einen Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) von „cirka 40 Mio. Euro“ herumkommen. Allein im dritten Quartal verlor das Unternehmen 5,1 Mio. Euro. Die Hälfte des Verlusts ging direkt auf die Absetzung der alten Vorstände Horst Kayser und Matthias Rapp zurück. Denn deren Verträge wären eigentlich noch zwei Jahre gelaufen. Auch etliche Aufsichtsräte hatten auf Druck von Grenzebach hingeschmissen. Reuter übernahm für eine Übergangszeit den Chefposten. Der endgültige Kuka-Chef soll bis Anfang kommenden Jahres gefunden sein.

Dank einer Steuergutschrift konnte Kuka von Juli bis September den Verlust unterm Strich auf 2,3 Mio. Euro eindämmen. Vor einem Jahr hatte das Unternehmen zwischen Juli und September noch knapp zwölf Mio. Euro verdient. Die Bestellungen lagen mit 207 Mio. Euro noch unter dem schon schwachen zweiten Quartal. Der Umsatz verbesserte sich binnen dreier Monate nur leicht auf 218 Mio. Euro.

Über Kuka hängt weiter das Damoklesschwert der Finanzierung. „Die Kreditbedingungen können nicht eingehalten werden, das war auch so im dritten Quartal“, sagte Finanzchef Schulak. Die Banken hielten aber still, merkte er an. Die Institute hätten das Recht, einen überlebenswichtigen Kredit zu kündigen. Bis spätestens zum März kommenden Jahres will Schulak die Finanzierung gesichert haben. Dabei steht auch weiterhin eine Kapitalerhöhung im Raum. „Das ist heute noch nicht definitiv entschieden.“

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