Roboterhersteller
Investoren drohen Kuka-Führung

Die Führung des Augsburger Roboterherstellers Kuka gerät in Bedrängnis. Investoren, Mitarbeiter und Aufsichtsräte werfen der Unternehmensspitze eine verfehlte Strategie vor. Außerdem gebe das Unternehmen in einer finanziell angespannten Lage zu viel Geld für Beratungsproje

DÜSSELDORF. Hinter der Grundsatzdebatte über die Zukunft des Roboterspezialisten stehen die Großaktionäre Grenzebach Maschinenbau GmbH und der US-Investor Guy Wyser-Pratte. Grenzebach ist mit 29,2 Prozent größter Kuka-Aktionär, Wyser-Pratte hält zehn Prozent der Anteile. Zum Geschäftsmodell des Amerikaners gehört es, in unterbewertete Unternehmen einzusteigen und sie zu einem Kurswechsel zu bewegen, um so den Aktienkurs in die Höhe zu treiben. Er und Grenzebach haben sich verbündet. Sie kritisieren, dass Kuka zu 65 Prozent von der Autoindustrie abhängig sei.

Vor allem der erst seit neun Monaten amtierende Vorstandsvorsitzende Horst Kayser steht in der Kritik. Ihm lasten die Großaktionäre die Abhängigkeit von der Autoindustrie an, weil er die Entwicklung anderer Geschäftsfelder verschlafe. Auch Finanzvorstand Matthias Rapp soll das Vertrauen des Aufsichtsrats verloren haben, hieß es aus Kreisen des Aufsichtsrats. Rapp werfen die Kritiker die wacklige Finanzlage (Nettoverschuldung: 95 Mio. Euro) vor.

Die Großaktionäre Grenzebach und Wyser-Pratte versprechen sich vom Ausbau neuer Geschäftszweige größeres Wachstumspotenzial. Gerade hier aber agierten sowohl Management als auch Aufsichtsratschef Rolf Bartke viel zu zögerlich, heißt es.

"Es kann nicht sein, dass etwa das Thema Medizintechnik in den letzten zwölf Monaten im Aufsichtsrat gar nicht diskutiert worden ist", sagte eine mit dem Thema vertraute Person. Ein Kuka-Sprecher wollte die Vorwürfe nicht kommentieren.

Als mögliches Vorbild verweisen Investorenkreise auf den US-Hersteller Intuitive Surgical. Mit seinen Operations-Robotern erzielte das Unternehmen 2008 bei einem Umsatz von 620 Mio. Euro einen Jahresüberschuss von 145 Mio. Euro. An der Börse wird Intuitive Surgical mit 4,1 Mrd. Euro bewertet. Kuka kommt bei einem fast doppelt so hohen Umsatz auf eine Marktkapitalisierung von 290 Mio. Euro.

Allerdings ist Kuka in Sachen Medizintechnik nicht untätig. Das Unternehmen prüft nach Informationen des Handelsblatts ein Joint Venture mit Siemens in dem Bereich. Doch der Zeitplan stockt, heißt es in Kuka-Kreisen. Vor seinem Kuka-Engagement war Kayser Strategie-Chef von Siemens.

Unter Beschuss der Großaktionäre gerät auch das Beratungsprojekt "Transformation" von McKinsey. Insider berichten, dass es sich um einen Beratungsauftrag handelt, der eine Million Euro und mehr kosten könne - fünfmal so viel wie das Betriebsergebnis im ersten Quartal. "Wir dachten, dass wir mit Herrn Kayser eine hohe Kompetenz ins Unternehmen bekommen", sagte ein Betriebsrat. Warum der neue Vorstandschef nun externe Berater einkaufe, sei unklar. In diesem Zusammenhang erinnerte der Betriebsrat an Kaysers McKinsey-Vergangenheit von 1989 bis 1995. Ein Kuka-Sprecher wollte sich hierzu nicht äußern.

Auch andere Ausgaben werden von den Kritikern hinterfragt. Im Jahr 2008, als der Jahresüberschuss um 75 Prozent auf 30 Mio. Euro fiel, gab das Unternehmen allein 28 Mio. Euro für den Rückkauf eigener Aktien aus. Diese Aktien sind heute noch ganze 14,5 Mio. Euro wert.

Bereits in den nächsten Tagen soll eine Entscheidung fallen. Sollten Aufsichtsratschef Bartke und Vorstandschef Kayser nicht auf die Wünsche der Großaktionäre eingehen, drohen diese mit einem Eklat.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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