Roche kämpft gegen den Ruf des Grippe-Profiteurs
Tamiflu-Erfolg weckt den Neid der Branche

Wenn am Mittwoch der Konzernchef des Schweizer Pharmaherstellers Roche, Franz Humer, die Neunmonatszahlen des Unternehmens mitteilt, wird ein Wert hervorstechen: Roche produziert Tamiflu.

ZÜRICH. Das Medikament ist das einzige, das von der Weltgesundheitsorganisation WHO offiziell als hilfreich für Menschen eingestuft wird, die an der Vogelgrippe erkranken. Mit jedem kranken Vogel mehr wächst die Nachfrage nach Tamiflu. Humer wird wohl bekannt geben können, dass sich die Arznei für Roche in diesem Jahr zum „Blockbuster“ entwickelt. Davon spricht die Branche, wenn ein Medikament die Schwelle zum Milliarden-Dollar-Umsatz durchbricht. Allein im ersten halben Jahr hat Tamiflu 580 Mill. Schweizer Franken zum Roche-Umsatz beigesteuert.

40 Staaten, darunter auch Deutschland, haben bei Roche Tamiflu geordert. Das Medikament wird noch über Jahre ein Renner im Roche-Pharmaprogramm bleiben: Zum einen dauert der Produktionsprozess knapp zwölf Monate, so dass heute bestellte Kapseln erst Ende nächsten Jahres geliefert werden können. Zum anderen ist die Haltbarkeitsdauer von Tamiflu begrenzt, der Medikamenten-Vorrat muss regelmäßig erneuert werden.

Weil kein Ende des Wachstums abzusehen ist, kündigte Roche am Dienstag an, weitere Tamiflufabriken zu errichten. Die US-Gesundheitsbehörde FDA bewilligte den Bau eines Werkes in den USA. Damit verfügt das Basler Unternehmen über 13 Produktionsstandorte. Die Schweizer allein können die Nachfrage schon nicht mehr befriedigen: Sie lassen deswegen sieben Tamiflu-Werke von anderen Pharma- und Chemieunternehmen betreiben. Darüber hinaus bot William Burns, Leiter des Roche-Pharmabereichs am Dienstag an, Lizenzen an Staaten und Unternehmen zu vergeben, die ebenfalls in die Produktion einsteigen wollen. Burns will damit eine Diskussion unterbinden, wie sie bereits etwa der österreichische Verband der Sozialversicherungsträger angezettelt hat: Deren Chef Erich Laminger forderte in der vergangenen Woche im Pandemie-Fall eine „zeitlich befristete Aufhebung des Patentschutzes“.

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