Roche-Mittel Tecentriq Krebstherapie verspricht Hoffnung bei Lungenkarzinom

Der Schweizer Roche-Konzern erhofft sich durch ein neues Lungenkrebs-Medikament einen Umsatzschub. Das Mittel wurde in einer Studie erfolgreich eingesetzt und ist auch zur Blasenkrebs-Behandlung zugelassen.
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An der Börse erregte die Neuigkeit nur vorübergehend das Interesse der Anleger. Quelle: Reuters
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An der Börse erregte die Neuigkeit nur vorübergehend das Interesse der Anleger.

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Zürich, LondonDas Medikament Tecentriq des Schweizer Roche-Konzerns verspricht Hoffnung für Lungenkrebspatienten. In einer spätklinischen Studie der Phase III überlebten 37 Prozent der Erkrankten ein Jahr lang, ohne dass die Erkrankung fortschritt, wenn die Krebs-Immuntherapie einem Arzneicocktail aus dem Roche-Mittel Avastin und einer Chemotherapie hinzugefügt wurde, wie Roche am Donnerstag mitteilte. Bei einer Therapie mit Avastin und Chemotherapie alleine waren es lediglich 18 Prozent.

Die nun veröffentlichten Daten untermauern die Wirksamkeit von Tecentriq bei Lungenkrebs. Roche hatte im November erste vielversprechende Ergebnisse der IMpower150 genannten spätklinischen Testreihe veröffentlicht. „Wir finden diese Daten beeindruckend“, erklärte Stefan Schneider, Analyst bei der Bank Vontobel. Bernstein-Analyst Tim Anderson sieht in der Impower150-Studie ein wichtiges Stück eines komplexen und noch immer weitgehend unvollständigen Puzzles.

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An der Börse erregte die Neuigkeit nur vorübergehend das Interesse der Anleger: Nach einem Kursanstieg von 1,4 Prozent zu Handelsbeginn rutschten die Roche-Genussscheine leicht ins Minus.

Tecentriq winkt nun ein Umsatzschub. Lungenkarzinom ist die am weitesten verbreitete Krebsart, jährlich sterben 1,6 Millionen Menschen an der Krankheit. Und angesichts der Studienresultate empfiehlt sich die Arznei als Erstbehandlung für das sogenannte nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC). Dagegen darf Tecentriq zwar bereits eingesetzt werden, allerdings nur dann, wenn zuvor andere Therapien keine Wirkung zeigten.

„Mit großer Wahrscheinlichkeit haben wir hier eine Arznei, die möglicherweise den Behandlungsstandard ändert“, sagte Roche-Chef Severin Schwan zur Nachrichtenagentur Reuters. „Aber wir müssen den Vergleich mit anderen Therapien abwarten. Wir haben eine wirkliche Chance, hier an der Spitze zu sein.“

Die Gewinnbringer der Pharmabranche
Platz 10: Prevenar
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Der Impfstoff schützt vor der Infektionskrankheit Pneumokokken, einer bakteriellen Lungenentzündung, die vor allem für Kleinkinder und ältere Menschen lebensbedrohlich sein kann. Dem Pharma-Riesen Pfizer bringt der Impfstoff jährlich 5,7 Milliarden Dollar ein.

Platz 9: Lantus
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Den Insulin-Stift von Sanofi nutzen weltweit Millionen Diabetiker – und bescheren dem französischen Pharmakonzern jährlich Einnahmen von mehr als sechs Milliarden Dollar.

Platz 8: Herceptin
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Unter dem Namen Herceptin vermarktete der Baseler Pharmakonzern Roche einen Antikörper, der zur Behandlung von einigen Brust- und Magenkrebsformen eingesetzt wird. Die Entwicklung der Arznei durch den Krebsforscher Dennis Slamon wurde 2008 unter dem Titel „Living Proof“ verfilmt. Bis heute hat auch Roche seine Freude an dem Medikament: Es generiert pro Jahr einen Umsatz von 6,7 Milliarden Dollar. Damit trägt Herceptin allein mehr als zehn Prozent zum Jahresumsatz von Roche bei.

Platz 7: Avastin
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Mit Avastin hat Roche ein weiteres profitables Krebsmedikament im Portfolio: Avastin ist beispielsweise für Darm-, Lungen- oder Gebärmutterhalskrebs im fortgeschrittenen Stadium zugelassen. Die Baseler verdienen pro Jahr 6,72 Milliarden Dollar mit dem Wirkstoff.

Platz 6: Revlimid
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Der Wirkstoff des US-Pharmakonzerns Celgene ist in Europa als „Orphan Drug“ zugelassen – also als Medikament für seltene Krankheiten. Das bedeutet, dass es nur in wenigen Fällen verschrieben wird, die Therapiekosten jedoch sehr hoch sind. Das Krebsmittel bringt Celgene im Jahr knapp 7 Milliarden Dollar.

Platz 5: MabThera/Rituxan
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Das wichtigste Krebsmittel von Roche generiert jährlich 7,23 Milliarden Dollar Umsatz. Der unter den Namen MabThera und Rituxan vermarktete Wirkstoff gilt als Vorreiter der sogenannten gezielten Krebstherapie, bei der die Antikörper mittels Gentechnik hergestellt werden.

Platz 4: Remicade
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Die Ampullen der US-Pharmariesen Johnson & Johnson sowie Merck & Co. helfen gegen zahlreiche Krankheiten: In Europa ist das Medikament als Therapie etwa für die chronische Darmerkrankung Morbus Crohn oder die Hautkrankheit Schuppenflechte zugelassen. Der Allrounder bringt den beiden Konzernen jährliche Einnahmen von 8,2 Milliarden Dollar.

Roche setzt neben Medikamenten wie Hemlibra gegen die Bluterkrankheit und Ocrevus gegen Multiple Sklerose auf Tecentriq, um drohende Einbußen bei drei wichtigen Umsatzbringern aufzufangen: Für die biotechnologisch hergestellten Krebsmedikamente MabThera, Herceptin und Avastin, die gut 40 Prozent des Konzernumsatzes beisteuern, stehen sogenannte Biosimilars in den Startblöcken.

Manche Analysten trauen Tecentriq mehr als sechs Milliarden Dollar Jahresumsatz zu. Doch bislang tut sich das Medikament, das pro Patient jährlich 150.000 Dollar kostet, schwer gegen die früher auf den Markt gekommenen und besser etablierten Krebs-Immuntherapien Keytruda von Merck und Opdivo von Bristol-Myers Squibb. Die beiden US-Konzerne untersuchen ebenfalls Kombinationstherapien zur Lungenkrebsbehandlung, deren Resultate allerdings erst kommendes Jahr beziehungsweise 2019 erwartet werden. Tecentriq ist auch zur Blasenkrebs-Behandlung zugelassen.

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