Roche
Starker Franken verhagelt Pharmakonzern das Ergebnis

Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat im vergangenen Jahr Umsatzsteigerungen auf ganzer Linie erzielt. Besonders gut verkauften sich Krebsmedikamente. Der starke Schweizer Franken belastete allerdings das Ergebnis.

Basel/ZürichDer Schweizer Pharmakonzern Roche hat die Anleger mit einem Gewinnrückgang und seiner verhaltenen Umsatzprognose verprellt. Der Arzneimittelhersteller aus Basel bekam im letzten Jahr die Stärke der Konzernwährung und die Kosten für den Umbau der Produktion zu spüren. Unter dem Strich standen mit 9,06 Milliarden Franken (8,2 Milliarden Euro) fünf Prozent weniger Gewinn, wie der weltgrößte Hersteller von Krebsarzneien am Donnerstag mitteilte.

Dennoch kündigte das Unternehmen eine höhere Dividende von 8,10 Franken je Genussschein und Inhaberaktie an. Doch die Anleger waren nicht zufrieden und kippten die Titel aus ihren Depots, der Kurs sackte um 3,3 Prozent ab.

Dieses Jahr peilt Roche unter Ausschluss von Wechselkursschwankungen einen Umsatzanstieg um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag an. Die Prognose ist damit vorsichtiger aus als die letzte. „Ich glaube, das ist ein solider Ausblick. Wir wollen wieder das Wachstum voranbringen und gleichzeitig die Profitabilität erhöhen“, sagte Roche-Chef Severin Schwan zur Nachrichtenagentur Reuters. „Wir möchten aber keinesfalls zu viel versprechen. Lieber die Erwartungen übertreffen als umgekehrt“. Der bereinigte Gewinn je Titel soll erneut stärker als die Verkaufserlöse anziehen. Seinen Eigentümern stellte Roche zudem erneut eine höhere Dividende in Aussicht.

Analysten warnen allerdings, dass es für die drei wichtigsten Medikamente Mabthera, Avastin und Herceptin eng werden könnte. „Das Umsatzwachstum dürfte nach unserer Meinung 2016 etwas an Dynamik verlieren, weil die drei Hauptprodukte unweigerlich an ihrem Plateau angelangt sind“, erklärte Michael Nawrath, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. Mit den drei Krebsmedikamenten erzielt Roche 20 Milliarden Franken Umsatz – mehr als die Hälfte der Verkaufserlöse im Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Allen drei Biotech-Arzneien drohen ab 2017 zudem Umsatzeinbußen, weil nach dem Auslaufen des Patentschutzes günstigere Nachahmerprodukte – sogenannte Biosimilars – auf den Markt kommen dürften.

Im Vorjahr lief es für Roche operativ noch rund. Die steigende Nachfrage nach modernen Krebstherapien kurbelte den Absatz an. Der Umsatz wuchs leicht um ein Prozent auf 48,15 Milliarden Franken. Währungsbereinigt betrug das Verkaufsplus fünf Prozent und lag damit im von Roche angepeilten Zielbereich. Auch beim bereinigten Gewinn je Aktie erfüllte Roche die Vorgaben: Er stieg unter Ausschluss von Wechselkurseffekten um sieben Prozent auf 13,49 Franken.

Rivale Novartis hatte seine Aktionäre am Vortag ebenfalls auf ein mageres Jahr eingeschworen.

Für einen neuen Schub sollen Medikamente gegen Krebs, Multiple Sklerose und Immun- sowie Bluterkrankungen sorgen, die das Unternehmen auf den Markt bringen will. Roche könnte in den nächsten drei Jahren bis zu acht neue Medikamente auf den Markt bringen, sagte Konzernchef Schwan. Besonderes Augenmerk gilt der Krebs-Immuntherapie. Mit Atezolizumab wollen die Schweizer dieses Jahr ein erstes Medikament auf den Markt bringen, das auf dem vielversprechenden Therapieansatz beruht. Immuntherapeutische Präparate zielen darauf ab, das körpereigene Abwehrsystem so zu aktivieren, dass es Tumorzellen erkennen und zerstören kann. Roche hat in dem Bereich neun Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung.

Die Nase vorne haben in der Immunonkologie die US-Konzernen Bristol-Myers Squibb und Merck & Co. Auch wenn Roche später eingestiegen sei, habe der Konzern ein umfassendes Programm, dass ihn in ein bis zwei Jahren in eine führende Position bringen werde, zeigte sich Pharmachef Daniel O'Day überzeugt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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