Roche streicht 1200 Stellen

Käufer für vier Werke gesucht

Weil Roche seine Produktpalette umstellt, sucht der Schweizer Pharmakonzern nach einem Käufer für seine Niederlassungen in Irland, Spanien, Italien und den USA. Rund 1200 Stellen werden gestrichen.
Weil kleinmolekulare Medikamente üblicherweise in geringeren Mengen als Standard-Pharmazeutika hergestellt werden, benötigt Roche künftig weniger Mitarbeiter und Standorte. Quelle: dpa
Kleinmolekulare Medikamente

Weil kleinmolekulare Medikamente üblicherweise in geringeren Mengen als Standard-Pharmazeutika hergestellt werden, benötigt Roche künftig weniger Mitarbeiter und Standorte.

(Foto: dpa)

ZürichDer Pharmakonzern Roche trennt sich von vier Produktionsstandorten mit insgesamt 1200 Arbeitsplätzen. Das Unternehmen konzentriere sich künftig auf eine neue Generation von sogenannten kleinmolekularen Medikamenten, die zumeist in Tablettenform verabreicht werden, teilten die Schweizer am Donnerstag mit. Diese neuen Arzneien würden jedoch in kleineren Mengen produziert. Daher suche der Konzern für Niederlassungen in Irland, Spanien, Italien und den USA nach einem Käufer. Die neuen Medikamente sollen verstärkt in der Schweiz hergestellt werden. Dafür investiere Roche 300 Millionen Franken in eine Produktionsstätte in Kaiseraugst.

Zunächst verschlingt der Umbau Geld: Bis 2021 erwartet der Konzern Kosten von 1,6 Milliarden Franken – bis zu 800 Millionen Franken davon bereits im laufenden Jahr. Bis zu 600 Millionen Franken dürften in bar anfallen. Im laufenden Jahr seien die Auswirkungen auf den Geldfluss jedoch gering, erklärte Roche.

Die größten Deals in der Pharma-Branche
Platz 9 – Roche für Genentech – 47 Milliarden Dollar (2008)
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Das Schweizer Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche sicherte sich 2008 für 46,7 Milliarden Dollar die amerikanische Biotech-Firma Genentech. Die Übernahme gilt als Glückgriff, da Roche als weltweit führender Produzent von Krebsmedikamenten von der Genforschung Genentechs profitiert. Roches bekanntes Vogelgrippe-Medikament Tamiflu (hier im Bild) hingegen stand mehrfach in der Kritik. Der Schweizer Konzern soll Studien zur Wirksamkeit des Medikaments manipuliert haben.

Platz 8 – Pfizer für Pharmacia – 61 Milliarden Dollar (2002)
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Pfizer zum Ersten: 60,7 Milliarden Dollar in Aktien ließ sich der US-Pharmakonzern im Jahr 2002 die Übernahme des schwedischen Unternehmens Pharmacia kosten. Da nach der Fusion das Haarwuchsmittel Rogaine und die Potenzpille Viagra von einem Unternehmen hergestellt wurden, scherzte der damalige Pfizer-Chef Hank McKinnell (l.): „Rogaine und Viagra zusammen, was kann sich ein Mann mehr wünschen“.

Platz 7 – Pfizer für Wyeth – 65 Milliarden Euro (2009)
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Pfizer zum Zweiten: Rund 64,5 Milliarden Dollar bezahlten die New Yorker für Wyeth, das zum Zeitpunkt des Kaufs ebenfalls zu den zehn größten Pharmaunternehmen der Welt zählte. Mit der Übernahme baute Pfizer sein Portfolio aus, vor allem in Richtung Impfstoffe und Biotechnologie.

Platz 6 – Sanofi für Aventis – 65,6 Milliarden Dollar (2004)
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Nur auf dem Papier eine Fusion unter Gleichen: Für gut 65,6 Milliarden Dollar übernimmt der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo das deutsch-französische Unternehmen Aventis. Es entsteht Sanofi-Aventis, der größte Medizinhersteller Europas. Die Fusion gilt als kurios, da Sanofi-Synthélabo vor der Übernahme deutlich kleiner als Aventis war. Später legte der Konzern mit Sitz in Paris den Beinamen Aventis wieder ab. Sanofi ist heute Weltmarktführer für Impfstoffe.

Platz 5 – Actavis für Allergan – 66 Milliarden Dollar (2014)
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Lange hatte sich der Botox-Hersteller Allergan gegen eine Übernahme durch den kanadischen Wettbewerber Valeant gewehrt. Dann schlug die Stunde von Actavis: Der amerikanische Branchenriese und Allergan einigten sich auf den Deal. Allergan wehrte dadurch die feindliche Übernahme durch Valeant ab. Für Actavis war der Zukauf ein Kraftakt, der Konzern war selbst kaum größer als sein Übernahmeziel.

Platz 4 – Abbott Laboratories spaltet sich auf – 67 Milliarden Dollar (2011)
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Das amerikanische Pharmaunternehmen Abbott Laboratories spaltete rund 66,6 Milliarden Dollar seines Kapitals in Aktien ab und lagert es zunächst in eine Tochtergesellschaft aus. Die Medizintechnik und Generikaproduktion wurde unter dem Namen „Abbott“ weitergeführt, die Sparten Spezialmedikamente und Biotechnologie hingegen unter dem neuen Namen „AbbVie“ ausgegliedert. Auch Abbotts Flaggschiff, das Arthritis-Medikament Humira, ging auf die neue Gesellschaft über. Im Januar 2013 wurde AbbVie schließlich komplett in die Unabhängigkeit entlassen und wird seitdem an der Wall Street unter dem Kürzel „ABBV“ gelistet.

Platz 3 – American Home Products für Warner-Lambert I – 76 Milliarden Dollar (1999)
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Rund 75,5 Milliarden Dollar betrug das Volumen bei der freundlichen Übernahme des amerikanischen Hygienekonzerns Warner-Lambert durch American Home Products (AHP). Dem Hygienekonzern gehörten seinerzeit unter anderem die Marken Wilkinson Sword und Listerine. Doch AHP überhob sich: Als der Deal schon als perfekt galt, betrat US-Branchenriese Pfizer die Bühne. Er unterbreitete den Aktionären von Warner-Lambert seinerseits ein feindliches Übernahmeangebot – und erhielt den Zuschlag. Eine Strafzahlung von 1,8 Milliarden Dollar von Pfizer versüßte AHP die Niederlage aber zumindest etwas.

Ziel sei es, mit einem Verkauf der vier Produktionsstandorte möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Roche wolle die von den Plänen betroffenen Mitarbeiter rasch informieren und Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern in den jeweiligen Ländern aufnehmen.

  • rtr
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