Rohstoff Vanadium
Kampf am „anus mundi“

Zwischen 1999 und 2003 waren Precious Metals Australia (PMA) und das Schweizer Rohstoffunternehmen Xstrata Partner im Windimurra-Projekt. Die Mine in der Wüste Westaustraliens lieferte bis zum Ausstieg Xstratas zehn Prozent des weltweiten Bedarfs an dem Spezialmetall Vanadium. Nun will es das kleine australisches Unternehmen auf eigene Faust versuchen.

WINDIMURRA. Würde ein Regisseur eine Kulisse für einen Film über das Ende der Welt suchen, wäre Windimurra ideal. Buchstäblich am „Anus Mundi“, in der Isolation und trockenen Einöde der Wüste Westaustraliens, liegen die verrostenden Skelette einer ehemaligen Vanadium-Mine.

Die Szene erinnert an „Mad Max“, ohne Mel Gibson allerdings. Dafür kämpft in Windimurra in 42 Grad Hitze eine Handvoll nicht weniger wilder Männer um nicht weniger als einen Teil der Weltherrschaft – im Vanadiumhandel. „Sie zweifelten, dass wir es schaffen werden“, sagt Shaun Bunn, der operative Chef von Precious Metals Australia (PMA). „Doch jetzt beginnen sie langsam, sich zu sorgen, weil sie nicht mehr lange alleine Millionen machen können mit Vanadium.“

„Sie“ - das ist das Rohstoffhaus Xstrata. PMA und die im schweizerischen Zug beheimatete Xstrata waren zwischen 1999 und 2003 Partner im Windimurra-Projekt: Xstrata kontrollierte 51 Prozent, PMA 49 Prozent Die Mine lieferte während ihres kurzen Lebens zehn Prozent des weltweiten Bedarfs an Vanadium, einem in der Stahlindustrie verwendeten Spezialmetall. Dann, als der Preis von Vanadium dank wachsender Nachfrage in China zu klettern begann, stieg Xstrata trotz guter Gewinnaussichten überraschend aus. Die Entscheidung führte in Australien zu einer Welle der Empörung. Das konservative Wirtschaftsmagazin „BRW“ sprach von der „dunklen Seite der Globalisierung in der Bergbauindustrie“. Die westaustralische Regierung, die in der Hoffnung auf hunderte Arbeitsplätze rund 30 Mill. australische Dollar (rund 23 Mill. US-Dollar) in den Bau von Infrastruktur gesteckt hatte, setzte eine Untersuchungskommission ein.

Die wahren Gründe für den Entscheid sind bis heute unklar. Firmensprecher Marc Gonsalves meinte damals, die Schließung sei für das Unternehmen „wirtschaftlich gerechtfertigt“ gewesen. Für Kritiker der Schweizer Firma steht indessen außer Zweifel, dass Xstrata mit einer Verringerung des Angebotes bei gleichzeitig steigender Nachfrage die Preise für das Metall in die Höhe treiben wollte, das die Firma in ihren Minen in Südafrika produziert.

Nur eine gerichtliche Verfügung konnte verhindern, dass Xstrata die Anlage komplett abbaute, „für die Verwendung als Altmetall“, wie Bunn, der operative Chef von PMA, meint. „Sie kamen mit Schweißbrennern und schnitten alles kurz und klein, um jede weitere Nutzung zu verhindern.“ Doch vieles mussten sie liegen lassen, auch das wichtigste Gerät: den 120 Meter langen und 40 Mill. US-Dollar teuren Ofen, mit dem das metallhaltige Gestein geröstet und das Vanadium herausgelöst wird. Schließlich einigten sich die beiden Ex-Partner auf eine Entschädigung für PMA von 20 Mill. australische Dollar – Startkapital für die Zukunft. Anfang 2005 gelang es PMA endlich, die Eigentümerschaft über Windimurra zurück zu gewinnen. Laut Smith wird die Firma die Anlage mit einem Aufwand von 175 Mio. australischen Dollar in Schwung bringen. Gut vier Fünftel davon dürften von Banken mit Krediten und Anteilscheinen finanzieren. Der Wiederaufbau soll Anfang 2007 beginnen, die Produktion Ende des kommenden Jahres anlaufen.

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