Rohstoffbranche
Baggern um die Konkurrenz

Der Kampf um die Vorherrschaft in der Rohstoffbranche geht trotz der Turbulenzen an den Aktienbörsen weiter. Während Weltmarktführer BHP Billiton den britisch-australischen Konkurrenten Rio Tinto belagert, pirscht sich der brasilianische Erzgigant Vale an den Schweizer Kohlekonzern Xstrata heran. Die Konsolidierung im Rohstoff-Sektor schreitet voran.

LONDON. Doch beide zögern mit einem formellen Angebot, das wohl jeweils über 100 Mrd. Dollar liegen würde. Während BHP mit dem Kauf von Rio bei Eisenerz und anderen Metallen eine dominierende Rolle spielte, geht es Vale vor allem um ein breiteres Produktangebot.

BHP hat nach einer von der Londoner Aufsicht gesetzten Frist noch bis zum 6. Februar Zeit, ein formelles Übernahmeangebot für Rio Tinto vorzulegen. Im November hatte der Konzern nach monatelangen Spekulationen den Tausch von drei BHP-Aktien je Rio-Tinto-Aktie angeboten. Doch die Führung von Rio Tinto lehnte das postwendend ab und war nicht zu Verhandlungen bereit. Am vergangenen Freitag trieb ein Bericht des „Wall Street Journals“, wonach BHP bald ein höheres Angebot mit einem Baranteil vorlegen werde, die Rio-Tinto-Aktie hoch. Doch nachdem eine solche Offerte am Montag ausblieb, brachen die Aktien beider Unternehmen ein. Die Rio-Tinto-Papiere verloren gestern im australischen Handel zehn Prozent, doppelt so viel wie der Markt insgesamt. Erneut von einem Bericht des „Wall Street Journals“ angetrieben, machte die Spekulation die Runde, dass BHP angesichts der Kursverluste an den Börsen einfach das alte Angebot formalisieren werde. Es wäre im Moment rund 130 Mrd. Dollar wert.

Doch Analysten bezweifeln, dass BHP mit einer solchen Strategie Erfolg hätte. Die Investoren tolerierten nicht, dass BHP einfach kurzfristige Kursschwankungen ausnutze, sagte ein australischer Analyst. Ein Sprecher von BHP sagte, der Konzern werde bis zum Ablauf der Frist alle Möglichkeiten prüfen. Das Kaufangebot sei immer auf den relativen Wert von Rio bezogen gewesen, so dass die jüngsten Kursverluste für das Vorhaben kein Problem darstellten. Rio Tinto wollte sich nicht dazu äußern.

In Branchenkreisen hieß es hingegen, dass die gegenwärtige Volatilität an den Börsen zweifellos ein Problem für kauflustige Rohstoffkonzerne darstelle. Sie erschwere Aktientausch- und Barangebote gleichermaßen. Die Aktien der Konzerne verlören deshalb überdurchschnittlich, weil sie eng am ökonomischen Zyklus hingen und in den vergangenen Monaten wegen der Fusionsbemühungen stark gestiegen seien.

Auch der brasilianische Bergbaukonzern Vale gab in einer Börsenmitteilung zu, dass die Marktturbulenzen seine Pläne erschwerten. Er prüfe eine Übernahme von Xstrata, doch es sei nicht sicher, dass es zu einem Angebot komme. Vale prüfe auch andere Optionen. Doch: „Wir sind uns darüber im Klaren, dass die aktuellen Bedingungen auf den internationalen Kapitalmärkten eine große Herausforderung darstellen.“ Eine Xstrata-Sprecherin wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Vale würde mit dem Kauf von Xstrata einen weiteren, gewaltigen Schritt zu einem breiterem Produktangebot tun. Die Brasilianer, die größter Eisenerzproduzent der Welt sind, haben bereits mit dem Kauf des kanadischen Metallkonzerns Inco für 17 Mrd. Dollar einen großen Schritt in diese Richtung getan. Die Kombination mit Xstrata würde Vale zur Nummer eins bei Eisenerz, Nickel und Kohle machen. Der Kaufpreis würde nach Analystenschätzungen rund 100 Mrd. Dollar betragen.

Analyst Tobias Woerner von MF Global Securities brachte hingegen gestern eine neue Variante ins Spiel: Vale und Xstrata könnten sich zusammentun, um einen Gegenangriff auf Rio Tinto oder auch einen fünften großen Bergbaukonzern, Anglo American, zu starten. Damit würden die Karten noch einmal ganz neu gemischt.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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