Rohstoffe
Experten erwarten langfristig hohe Kohlepreise

Auch wenn die Preise für Rohstoffe in den vergangenen Monaten gefallen sind, blickt die Rohstoffbranche optimistisch in die Zukunft. Der Preisrückgang sei nur vorübergehend, meinen Experten. Insbesondere der hohe Strombedarf der Schwellenländer birgt Absatzchancen.

DÜSSELDORF. Die Rezession beutelt weltweit die Stahlindustrie und bremst damit auch die Nachfrage nach Kohle. Die Folge sind deutlich fallende Preise, eine Entwicklung, die die Stahlindustrie bei ihren harten Sparprogrammen eigentlich freuen sollte. Experten rechnen allerdings nur mit einer vorübergehenden Verbilligung der Kohle; längerfristig zeichneten sich angesichts des wachsenden Strombedarfs eine erneute Verknappung und damit steigende Preise ab.

„Der langfristige Trend am Weltmarkt ist intakt“, sagt Franz-Josef Wodopia, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Gesamtverbands Steinkohle dem Handelsblatt. Er werde kurzfristig durch die kräftigen Preisausschläge überlagert. „Der Kohlemarkt wird sich einigermaßen stabil entwickeln“, ist er mit Blick auf den Kohleeinsatz für Strom zuversichtlich. Der enorme Strombedarf weltweit und das Wachstum der Stahlindustrie hatten den Kohleverbrauch und damit die Preise immer höher getrieben. Mitte 2008 erreichte der globale Kohle-Index den Höchststand bei fast 210 Punkten; inzwischen hat er sich mehr als halbiert.

Auf kurze Sicht Entspannung, auf mittlere bis längere Sicht eher erneute Verknappung, beschreibt auch Heino Elfert, Herausgeber des Hamburger Energie-Informationsdienstes (EID), die Lage auf den Weltkohlemärkten. Die globale Rezession und der Kollaps beim Energiepreisführer Erdöl hätten eine Wende nach unten eingeleitet. Doch seien die freien Kapazitätsreserven in den wichtigsten Kohlerevieren schnell aufgezehrt, wenn die Weltkonjunktur wieder an Fahrt aufnehmen würde, schätzt Elfert. Denn nun stockten die Kohleinvestitionen; Ausbaupläne würden wegen der Finanzkrise vertagt.

Die Produzenten reagieren auf den Preisrutsch. In China etwa wurde nach Angaben der Commerzbank der Abbau in der Provinz Shanxi, der größten Kohleregion des Landes, bereits um zehn Prozent reduziert. Die Koksproduzenten der Region sollen ihre Produktion bis Juni 2009 sogar um bis zu 70 Prozent kürzen. Der größte Produzent der Region, Shanxi Coking Coal, habe signifikante Preissenkungen angekündigt.

Kohle hatte seit 2002 die höchsten Zuwächse unter den Energierohstoffen verzeichnet. Auf der Verbraucherseite stehen Schwellenländer wie China – das Land ist zugleich größter Produzent –, Indien und Russland an der Spitze. Für sie ist die Bedeutung der Kohle für den wachsenden Strombedarf ganz besonders hoch. Hans W. Schiffer, Energieanalyst bei RWE in Essen, räumt der Kohle besonders in Russland „günstige Absatzchancen“ ein. Dort sei eine Expansion von Kohlekraftwerken geplant, um Erdgas in der Verstromung einzusparen. Das CO2--arme Erdgas soll stattdessen insbesondere nach Westeuropa exportiert werden; auf diese Weise ließen sich die Energiedevisen für Moskau maximieren, sagt Schiffer. Russland verfügt über die zweitgrößten Kohlereserven der Welt.

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