Rohstoffe

Letzter Ausweg Öl-Rausch

Die Wirtschaft der Krisenländer Europas liegt darnieder. Doch Irland oder Griechenland schöpfen Hoffnung: Neu entdeckte Erdöl-Quellen sollen Milliarden in die Kassen spülen. Die Energie-Multis wittern das große Geschäft.
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Die Euro-Krisenstaaten Irland und Griechenland hoffen auf einen Ölreichtum wie in der Nordsee oder am Persischen Golf. Quelle: dapd

Die Euro-Krisenstaaten Irland und Griechenland hoffen auf einen Ölreichtum wie in der Nordsee oder am Persischen Golf.

(Foto: dapd)

DüsseldorfDer Aufschwung der im Süden Irlands gelegenen Hafenstadt Cork ist stehen geblieben. Neben modernen Bürogebäuden verfallen alte Lagerhallen. Die grauen Bruchstein-Baracken sollten zu schicken Einkaufspassagen aufpoliert werden. Doch die Ausläufer der Lehman-Pleite haben den Wirtschaftsboom auf der Grünen Insel abrupt beendet. Der Hausbau-Sektor steht still, die Banken ringen mit der Pleite.

Statt glänzender Glasfassaden dominieren nun Poster mit Sprüchen wie „Finanziert unsere Krankenhäuser, nicht die Banken“ oder „Irland kann sich den Kapitalismus nicht leisten“ die Bauruinen der zweitgrößten Metropole der Republik. Das Land musste seine europäischen Partner und den Internationalen Währungsfonds um Rettungsgarantien ich Höhe von rund 70 Milliarden Euro bitten.

Doch nicht weit von Cork keimt Hoffnung für Irlands darbende Wirtschaft. Nur rund 75 Kilometer südlich der Küste hat das Unternehmen Providence Ressources im Atlantik nach Öl gebohrt – und ist fündig geworden. Die Ergebnisse von Probebohrungen zeigen nun, dass rund eine Milliarde Fass Öl (ein Barrel sind rund 159 Liter) im Meeresboden lagern.

Damit rangiert das Feld immerhin unter den größeren Erdölquellen. Die Ölsucher hoffen auf weitere Funde in dem Gebiet. „Es könnte die neue Nordsee werden“, sagt Tony O’Reilly, Chef des Explorers Providence Ressources. Auf der Grünen Insel keimt die Hoffnung auf einen Öl-Boom, der auch die leere Staatskasse füllen könnte. Proteste gegen die geplante Erschließung des Erdöls blieben bislang aus.

Denn die gebeutelten Schuldenstaaten Europas suchen den Ausweg aus Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit  zunehmend bei der Rückbesinnung auf die eigenen Bodenschätze. Die Regierungen hoffen so, den in Trümmern liegenden Volkswirtschaften einen Anschub zu geben. Und die klammen Finanzminister hoffen natürlich auch auf Milliardenschwere Einnahmen. Großbritannien etwa kassierte dank der Nordsee-Ölfelder in den vergangenen Jahren rund 300 Milliarden Pfund. 

Neben Irland hofft auch Griechenland auf reiche Ressourcen aus dem Meer. Vor der Insel Kreta lässt der Energieminister nach Öl- und Gasvorkommen fahnden. „Es gibt ernstzunehmende Aussichten“, sagte Minister Evangelos Livieratos im Parlament. Den Auftrag für entsprechende Untersuchungen erhielt eine Firma aus Norwegen.

Livieratos geht davon aus, dass die Ergebnisse 2014 vorliegen. Danach könnten dann auch die ersten Probebohrungen starten. Geologen schätzen die Chancen recht hoch ein, dass die Bohrtrupps südlich der Insel Kreta auf Öl und Gas stoßen.

Griechenland fördert seit Mitte der 1970er Jahre aus einem kleinen Feld vor der Küste der Hafenstadt Kavala im Norden des Landes Erdöl. Das Volumen deckt aber nur etwa fünf Prozent des Bedarfs ab. Ende 2011 waren südlich von Zypern reiche Erdgasvorkommen entdeckt worden.

Öl-Multis wittern das dicke Geschäft
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6 Kommentare zu "Rohstoffe: Letzter Ausweg Öl-Rausch"

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  • Kann die ezb nicht einfach an den Terminmärkten, z.B. für Öl, short gehen? Das drückt doch die Preise.

    Und abgerechnet wird später; die Feuerkraft soll ja unbegrenzt sein.

  • Und mit dieser strategischen Ölreserve kann die EZB dann zusätzlich noch am Ölmarkt intervenieren, falls der Preis pro Barrel in eine ungewünschte Richtung läuft. Die EZB wird zur Superinstitution. Würde auch mit anderen Ressourcen funktionieren, z.B. auch mit Olivenöl, welches wunderbaren Pflanzenölkraftstoff abgibt. So holen wir uns energietechnische Unabhängigkeit und Griechenland baut seine Verbindlichkeiten ab. Perfekt!

  • Wahrscheinlich werden Draghi & Co.selbst die Bohrungen vornehmen und eine Pipeline direkt zur EZB verlegen, wo das schwarze Gold als physische/marktfähige Sicherheit für wackelige Staatsanleihen dient. Das ist echte Offenmarktpolitik!!!

  • Nach Öl bohren? Könnte ja funktionieren, ist aber umständlich.
    Nach Geld bohren ist viiiel einfacher, der Erfolg unmittelbar und seit neuestem sind die Quellen unerschöpflich! Bin schon dabei.

  • "Ende 2011 waren südlich von Zypern reiche Erdgasvorkommen entdeckt worden"

    So ein Unfug. Die Erdöl und Erdgas vorkommen sind spätestens seit Anfang des 20. Jahrhundert bekannt. Was nicht bedeutet, dass uns nicht schon aus der Antike schriftliche Nachweise über das Erdöl vorliegen.

    Selbst der Spiegel schrieb in seiner Ausgabe 12/1974 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41722030.html über den Reichtum in der Ägäis. In diesem Zusammenhang ist auch der Zypernkonfikt zu sehen. Ja man muß zwangsläufig annehmen, dass der Konkurs Griechenlands von einer internationalen Wirtschaftsmafia schon lange geplant ist um den Griechen die 'Neuen' Verträge zu diktieren.
    Würde mich nicht wundern, wenn der desinformierte europäische Steuerzahler jetzt völlig die Orientierung verliert und statt der Brüssler Politriege den Griechen den Betrug vorwirft.

  • Mir fehlt, neben der Editierfunktion, auch eine Ignore-Funktion, die Type MI6 verschwendet meine Zeit, und sicher auch die anderer Leute, die gerne wirklich diskutieren und nicht nur Foren mit Parolen beschallen wollen.

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